Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780
Rezensionen 565 beim Nachschlagen der Zitate an einigen Stellen unschwer feststellen kann. Erschwerend kommt hinzu, daß diese Zitate gelegentlich von einer derart lapidaren Kürze sind, daß es auch gewiegten Archivaren nicht immer leicht fallen dürfte, sie zu verifizieren. Joh. Christoph Allmayer-Beck (Wien). Lawlor Mary, S.N.D., Alexis de Tocqueville in the Chamber of Deputies. His Views on Foreign and Colonial Policy. A Dissertation. The Catholic University of America Press, Washington, D.C. 1959. XI und 201 S. Trotz der intensiven Forschungstätigkeit über Tocqueville wurde bisher seine Tätigkeit als Abgeordneter völlig vernachlässigt, was wohl, wie die Verf. richtig vermutet, mitverschuldet ist durch seine Bemerkung in den „Souvenirs“, daß diese seine Wirksamkeit für ihn enttäuschend gewesen sei. Einige seiner Reden fehlen sogar in den bisherigen Ausgaben seiner Werke. Auf Anregung Prof. Engel-Janosis versucht nun Verf. diese bedauerliche Lücke wenigstens für die außenpolitischen und kolonialpolitischen Probleme zu schließen. Sie hat zu diesem Zweck in der Bibliothéque Nationale, in der Congress Library und in einigen amerikanischen Universitätsbibliotheken gearbeitet und dabei auch die von Prof. Pierson der Yale University übergebene Manuskriptsammlung benützt. Auf außenpolitischem Gebiet veranlaßte zunächst die syrisch-ägyptische Frage Tocqueville zu zwei Reden in der Kammer. Das Problem des Rechtes auf Durchsuchung von Schiffen auf hoher See zur Verhinderung von Sklaventransporten leitet dann über zu seiner Stellungnahme zur Behandlung der Sklaven in den französischen Kolonien. Darüber hinaus beschäftigte sich Tocqueville auch sehr intensiv mit der Politik in Algerien. Verf. versucht zunächst in einem einleitenden Kapitel einen Gesamtüberblick zu geben und berichtet dann sehr eingehend über den Eintritt Tocquevilles in die Politik bzw. seine Kandidaturen 1837 und 1839. Merkwürdigerweise erörtert sie bereits in diesem Abschnitt seine erste Rede zur orientalischen Frage, während sie der zweiten (vom 30. November, nicht 1. Dezember 1840!) ein eigenes Kapitel widmet. Die Wiedergabe und Besprechung dieser Rede, vor allem der Kontroverse mit Guizot, ist allerdings nicht sehr gut gelungen. Wesentlich besser ist die Behandlung des Problems der Durchsuchung von Schiffen, wobei außer der Kammerrede auch die dadurch ausgelöste Auseinandersetzung mit der englischen Presse und englischen Parlamentariern dargelegt wird. Auch die drei folgenden kolonialpolitischen Kapitel gehen weit über die betreffenden Kammerreden hinaus und beziehen mehrere Kommissionsgutachten, Zeitungsartikel und Tagebücher in den Kreis der Untersuchung ein. Bei allen diesen Problemen versucht Verf. die Ansichten Tocquevilles mit seiner zeitgleichen literarischen Tätigkeit, vor allem seinem Werk über die Demokratie in Amerika, zu konfrontieren. Besonders überraschend ist vor allem bei der zweiten Orientrede der heftige Nationalismus und Imperialismus Tocquevilles, der ihn selbst vor einem aus reinen Prestigegründen zu führenden Krieg nicht zurückschrecken läßt. Dieser ausgeprägte Nationalismus verursachte auch eine gewisse Zwiespältigkeit in der Haltung gegenüber England. Einerseits war ihm dieses bewunderte Land die zweite geistige Heimat und er wünschte