Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780
562 Literaturberichte Werk wird mehr von allgemeinen historischen Gesichtspunkten beherrscht, wobei er sich zum Unterschied von dem deutschen Gelehrten, für den die Reichspolitik Karls doch irgendwie im Mittelpunkt steht, mehr an der Peripherie bewegt. Die Vorgänge im Reich und besonders in den österreichischen Erbländern beschäftigen T. verhältnismäßig wenig, wohl aber Burgund und Spanien. Im Bezug auf die Neue Welt legt er sich nur aus praktischen Erwägungen Zurückhaltung auf. Besonders die englischen Beziehungen Karls und dessen Sohnes sind für den Herausgeber der Calendars von Interesse. Dabei entspricht sein Philipp-Bild besonders im Bezug auf die Niederlande durchaus noch den älteren Vorstellungen einer liberalen Geschichtsschreibung. Räumt B. dem kulturellen Leben der Zeit Karls V. einen verhältnismäßig großen Platz ein, so beschäftigt sich der sehr realistische Amerikaner besonders eingehend mit der Wirtschaft, vor allem aber mit finanziellen Fragen, wobei er offensichtlich die großen Arbeiten von Pölnitz über das Haus Fugger nicht mehr berücksichtigen konnte. B. hat sich bei aller Einfühlung in die Persönlichkeit des Kaisers nach Tunlichkeit jeder Wertung enthalten. T. beurteilt viele Vorgänge, Handlungen und Anschauungen nach modernen Gesichtspunkten und Maßstäben. Trotzdem dürfen wir bei T. ebensowenig wie bei B. ein zusammenfassendes Charakterbild des Kaisers erwarten. Trotz der warmen Sympathien, die T. Karl entgegenbringt — vor allem infolge der jahrelangen Beschäftigung mit vielen ungedruckten Schriften des Kaisers — ist ihm eine geistige Erfassung dieser Persönlichkeit nicht gelungen. Das innere Wesen der habsburgischen Vorstellungswelt ist dem Amerikaner völlig fremd geblieben. Dies gilt auch mutatis mutandis von den Verhältnissen in den Erbländern und im Reich. Doch davon abgesehen bringt das Werk manche neue Aspekte von Bedeutung, namentlich über die Beziehungen Karls V. zu anderen Ländern. Als eine wertvolle Erweiterung der Quellenbasis gegenüber B. muß ferner noch die Heranziehung polnischer Gesandtschaftsberichte hervorgehoben werden. Dadurch fällt manches neue Licht auf die Ostpolitik des Kaisers und ihre Zusammenhänge mit dem fundamentalen Gegensatz zu Frankreich. Von besonderem Wert ist der reich bebilderte ikonographische Teil des Buches, der gegenüber der englischen Ausgabe eine Korrektur aufweist und dem Verlag zur Ehre gereicht. Die Auswahl der Bilder verrät ein großes Geschick. Die spärlichen Anmerkungen werden am Ende des Werkes nach Seiten angeführt, dazu kommt noch eine umfangreiche Bibliographie nach Kapiteln. Ein Itinerar nach Ländern sowie eine Zeittafel und Karten erhöhen sehr die Brauchbarkeit dieses Buches. Bei der Gesamtbeurteilung muß auch berücksichtigt werden, daß T. offenbar nicht mehr letzte Hand an das Werk legen konnte. Hier haben seine Kollegen aus internationalen Organisationen die Initiative ergriffen. Arthur von Breycha-Vauthier hat die Herausgabe sehr betrieben, Carl J. Burckhardt hat die englische Ausgabe mit einem kurzen, die deutsche mit einem sehr langen Vorwort versehen und Hugo von Haan hat die Übersetzung ins Deutsche besorgt, Auch der Übersetzer ist persönlich mit dem Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv verbunden und zeigt sich von seiner