Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

BRUSATTI, Alois: Unternehmensfinanzierung und Privatkredit im österreichischen Vormärz

368 Alois Brusatti Sedlnitzky vorschlug, ein förmliches Verbot des Beitritts zu ausländischen Gesellschaften für österreichische Untertanen zwecks Bekämpfung des Spekulantentums überhaupt zu erlassen, wehrte sich dagegen die Hof­kammer entschieden, weil „viel Großes und Gemeinnütziges gerade durch den Associationsgeist in neuerer Zeit hervorgebracht wurde“ 110). Die Eisenbahnaktien kletterten in den ersten Vierzigerjahren ziemlich hoch, wobei es sogar vorkam, daß die Sensalen den Verkauf der Nordbahn­aktien verweigerten, als diese von 1000 auf 1250 stiegen und es bedurfte erst energischer Schritte der Hofkanzlei, um die Sensalen an der Börse wieder an ihre Pflicht zu erinnern m). September 1845 traten dann aber auf dem Markt mit Eisenbahnaktien infolge der sich immer mehr steigern­den Baukosten Rückfälle ein, die den Staat veranlaßten, Bahnaktien auf­zukaufen; 1847 befand sich ein Großteil der verausgabten Aktien der Bahnen in Staatshänden * 112). Die Gründungstätigkeit von Aktiengesellschaften hielt aber weiter an, wobei es auch zu einigen sonderbaren Gesellschaften kam; so erhielt eine „Wald-Compagnie“ genannte Aktiengesellschaft zur Förderung der Forst­kultur ein Privileg, ohne daß wir allerdings später etwas von dieser Gesell­schaft noch erfahren sollten 113 114). Allergrößte Anstrengungen machte damals auch Ungarn, um industrielle Anlagen zu gründen; die Pester Hypotheken­anstalt war ein Schritt dazu gewesen (s. o.), doch blieb sie nur den agrari­schen Interessen verhaftet. Wichtiger waren der Industrieschutzverein oder der Fabriksgründungs­verein auf Aktien U4); aber „die Gründung und die Geschichte des Indu- strievereins liefert ein klares Zeugnis von der Rückständigkeit, der Un­reife der wirtschaftlichen Ideen, die am Vorabend der Revolution in Ungarn herrschten“. Denn vor allem aber bestand ein großer Mangel an Kapital, das in Ungarn selbst ja kaum aufgebracht werden konnte. Allerdings kann festgestellt werden, daß um 1845 allmählich Kapital, vor allem das der Wiener Bankhäuser nach Ungarn zu fließen begann, wie wir dies schon bei der regeren Anleihetätigkeit feststellen konnten 115). Immerhin hatte der Gedanke der Aktiengesellschaften in den Vierziger­jahren des 19. Jhs. in Österreich festen Fuß gefaßt und damit war eine Möglichkeit geschaffen, die für den Durchbruch zum industriellen Zeitalter und zur kapitalistischen Wirtschaftsform von grundlegender Bedeutung wurde. no) FA: 9545 ex 1845. ui) FA: 1786 ex 1844. u2) Darüber ausführlich bei Strach: Eisenbahnen . . ., S. 280. ns) FA: 1449 ex 1846. 114) FA: 472 ex 1845. ns) Julius Miskolczy: Ungarn in der Habsburger Monarchie, Wien 1959, S. 77 f.

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