Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

BRUSATTI, Alois: Unternehmensfinanzierung und Privatkredit im österreichischen Vormärz

364 Alois Brusatti zustande, wobei interessant ist, daß 17.000 der 25.000 zur Verteilung kom­menden Aktien vor der öffentlichen Subskription bereits in festen Händen waren. Auch die anderen Privatbahnen basierten auf Aktiengesellschaften; darunter vor allem die Venedig—Mailand-Linie von 1837, die 50.000 Aktien zu 1000 österreichischen Lire ausgab; interessanterweise gingen viele Ak­tien davon nach Wien, obwohl die Initiative von den italienischen Gebieten ausging. Das Interesse für die Eisenbahnaktien war allgemein sehr groß; ja die Hofkanzlei stellte fest, daß die für die späteren Bahnaktien vorgesehenen Interimsscheine bereits mit einem ziemlich hohen Agio verkauft wurden und setzte gesetzlich ein Agio von maximal 6/ durch88). Erst, als sich so um 1840 herum herausstellte, daß der Bahnbau teurer zu stehen komme als ursprünglich kalkuliert worden war, ging das Interesse dafür rasch zurück. Aus der geringeren Bereitschaft, Kapital im Bahnbau anzulegen und aus der von Kübeck initierten Idee der Staatseisenbahnen kam es dann zu der für Österreich bezeichnenden Lösung, daß später Eisenbahnen Staats­angelegenheiten wurden. Allerdings sollten die bestehenden Privatbahnen erst in viel späterer Zeit verstaatlicht werden. Für die Vierzigerjahre mußten aber diese Bahnen durch Kapitalsaufnahme von sich aus alles tun, um den Bau fortzuführen und den Betrieb auszubauen. Als der Ausbau der Nordbahn 1841 wieder einmal ins Stocken geriet, mußten die Wiener Groß­handlungshäuser, voran Rothschild, eine schwebende Schuld von 1 Million Gulden durch Ausgabe von Akzepten dieser Bahn — zu allerdings 5% Eskompte — auf sich nehmen. In demselben Jahr nahm die Nordbahn- Gesellschaft eine Anleihe von 1,4 Millionen auf. Aber schon zwei Jahre später fehlten zum Weiterausbau der Strecke Leipnik nach Oderberg wie­der vier Millionen Gulden, die zunächst Rothschild vorstreckte. Um diesen Vorschuß zu decken, mußte jede Aktie einen Zuschuß von 250 fl. auf sich nehmen. Nur das Großkapital oder der Staat war imstande, solche umfang­reiche Unternehmen durchzuführen. Ähnlich wie die Eisenbahnen war auch der „Österreichische Lloyd zu Triest“ eine 1836 gegründete Aktiengesellschaft, die von verschiedenen Geldleuten, weit voran aber von Rothschild getragen wurde. Bei der Aus­gabe der Aktien herrschte reges Publikumsinteresse, nicht nur im In-, sondern auch im Ausland. Doch ließ auch das allgemeine Interesse nach, als 1841 und 1845 das Aktienkapital erhöht und außerdem noch eine Anleihe auf genommen werden mußte * 99). Diese Gründungen von Verkehrsunternehmungen größten Stiles dräng­ten aber jetzt zu einer stärkeren gesetzlichen Festlegung für diese Art von Gesellschaften. Bei den Versicherungsgesellschaften, die ja zuerst im ita­lienischen Reichsteil, also auf dem Boden des durch Napoleon eingeführten Handelsgesetzes französischer Art, entstanden, wurde nach dem Code de 88) FA: 6454 ex 1837. 99) Vgl.; „75 Jahre Triestiner Lloyd ...“ Triest 1911.

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