Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

VESELINOVIC, Rajko L.: Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen zu Ende des 17. Jahrhunderts. Historisch-geographische und ethnographische Abhandlung

220 Rajkó L. Veselinovié Aus Obigem erhellt nun auch, mit welcher Begründung der Patriarch Arsenius III. Crnojevic zu Ende Februar oder anfangs März 1706 den österreichischen Kaiser Joseph I. ersuchen konnte, ihm den Titel eines Fürsten von Albanien (G n e s i j de A 1 b ,a n i a) zu verleihen, obzwar er aus Montenegro gebürtig war — aus dem Stamme von Cetin je, der an das venezianische Albanien grenzte* 73). Im Hinblick auf den kirchlich-hierar­chischen Aufbau der serbischen Kirche im Sandschak Iskenderije brüstet sich vor den Russen der Bischof Vasilije Petrovic von Cetinje in seiner Geschichte Montenegros aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, daß zu Monte­negro auch die angeblichen Klimenten, die Kastraten und noch andere albanische Stämme gerechnet werden. Noch ein anderer Montenegriner jener Zeit, Jovan Stefanovic Balevic, führt in seiner kurzen historisch- geographischen Beschreibung Montenegros ähnlich an, daß dieses „ein Teil des Herzogtums Zeta in Unteralbanien, nahe dem Adriatischen Meere“ sei, daß die Montenegriner „ihrer Herrschaft“ noch die katholischen Stämme der Hoten, Klimenten, Gruden u. a. hinzurechneten. Es ist charakteristisch, daß er diese seine Beschreibung als „Albano-Montenegriner“ aus Bratonizic Unterzeichnete74). Aus all dem in diesem Kapitel Angeführten ist zu ersehen, daß die Kaiserlichen das Material für ihre Berichte und Landkarten nicht aus zeitgenössischen literarisch-geographischen Werken schöpften, noch sich an die türkische Verwaltungseinteilung ,anlehnten, noch die kirchlich­hierarchischen Verhältnisse berücksichtigten, bzw. die kirchliche Juris­diktion (dies gilt besonders für den Sandschak Iskenderije). Wir konnten ferner feststellen, daß der türkische Teil Montenegros zwar auch „Al­banien“ genannt wurde, daß es aber in diesem „Albanien“ keine römisch- katholischen Klimenten gab. Woher holte sich dann Marsigli seine Daten? Es gibt ein bekanntes Element, das uns hoffentlich helfen wird, diese komplizierte Frage zu beantworten. Es ist nämlich bekannt, daß Graf Marsigli die Details über die „Albaner schismatischen Glaubens“ und über die „Klimenten“ im sog. Türkisch-Albanien in sein Memorial über Albanien aufnahm und in seine Karte des Kriegsschauplatzes u. zw. auf Grund von Mitteilungen des Don Toma Raspasanovic. An ihn denkt Marsigli, wenn er in diesem Memorial dem Kaiser Leopold I. vorschlägt, daß dieser Pater ein kaiserliches Diplom verfassen könnte und daß es tiae, Sclavoniae, Serviae et Bulgáriáé etc. regnis. Viennae 1718, 213. — R u v a r a c, Montenegrina, 13. 73) Dr. Rad. M. C r u j i c, Kako se postupalo sa srpskim molbama na dvoru cesara avstriskog poslednje godine zivota patrijarha Arsenija III Carnojevica. Novi Sad 1906, 29, 72. — R. Veselinovié, Dva protivurecna predanja o poreklu Arsenija III Crnojevica u svetlosti pisanih spomenika. Zbornik Matice srpske za drustvene nauke. 1. Novi Sad 1950, 39—45. 74) M. Dragovic, Mitropolit crnogorski Vasilije Petrovic ili Istorija Crne Gore od 1750 do 1766. Cetinje 1889, 13, 107, 123, 125.

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