Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
VESELINOVIC, Rajko L.: Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen zu Ende des 17. Jahrhunderts. Historisch-geographische und ethnographische Abhandlung
215 Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen die Kaiserlichen die Unterlagen für ihre Berichte und Landkarten? Kannten sie gewisse historisch-geographische Werke in deutscher Sprache aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts? Benützten sie vielleicht die Daten aus italienischen Quellen? Oder berücksichtigten sie vielleicht die türkische territoriale Verwaltungseinteilung in die Sandschake Serbien, Makedonien, Montenegro und Albanien oder, am Ende, die kirchlich-hierarchische Einteilung der orthodoxen und katholischen Kirche in diesen Provinzen ? Ohne Zweifel war die historisch-geographische Kenntnis zu Ende des 17. Jahrhunderts, allgemein genommen, gering, die Angaben zuweilen widersprechend und unvollständig. Das gilt auch für den Balkan und die Balkanvölker unter türkischer Herrschaft. Aber ebenso steht die Tatsache, daß das Wissen und die Kenntnis um die ethnischen Belange und der österreichischen Grenzen größer als jenes war, das wir in den österreichischen Quellen jener Zeit feststellten. Dafür spricht eine gewisse Anzahl von Quellen literarisch-kartographischen Charakters, die wir zur Illustrierung dessen anführen werden. Was die geographische Literatur in deutscher Sprache angeht, werden wir eine türkisch-ungarische Chronik anführen, die in Nürnberg 1663 gedruckt wurde und die eine historische Beschreibung der türkischen Provinzen in Europa, Asien usw. enthält. Darin z. B. wird erwähnt, die Hauptstadt Albaniens sei Kroja (Albania, deren Hauptstadt Croja) und nicht Prizren, wie es irrtümlich in unserem Journale Annotationes und Reflexiones heißt58). Johann Heinrich Seyfried erwähnt in seinem Buche Türckhische Reichs-Beschreibung von 1 6 8 7 überhaupt kein Türkisch-Albanien (Albania turca) wie Marsigli, sondern sagt, Montenegro grenze an Serbien und erstrecke sich von Risan (Risano) bis Skutari, daß die Albaner im Gebirge wohnen, wo sie, eben dieser Berge wegen, in Freiheit leben59). Ebenso finden wir Marsiglis Einteilung Albaniens in drei Gebiete Albaniens (turca, libera, veneta) nicht auf den politischen Landkarten, die den Zustand im Jahre 1690 darstellen, wie z. B. auf der Karte La Turqie en Europa ou sont, les etats possedez par les Turcs jusqu’en l’An. 1 6 9 0 60). Charakteristisch ist es, daß in einigen historischen und ethnographischen Arbeiten deutscher Sprache durch das 18. und 19. Jahrhundert die territorialen Begriffe und die ethnische Zugehörigkeit mancher Völker in türkischer Zeit vermengt werden im Zusammenhang mit den Volkserhebungen gegen die Türkei in Anlehnung an die Kaiserlichen. Es ist beispiels58) Türckische und Ungarische Chronica oder kurtze Beschreibung . . . Nürnberg 1663, 241. 59) B r 1 i c, Die freiwillige Theilnahme, 2. — I. R u v a r a c, Montenegrina. Prilosci istoriji Crne Gore. Zemun 1899, 61. «») Narodna bibliotéka u Beogradu: Pomocne zbirke, kutija 93/99, svezanj „Evropa“.