Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
Rezensionen 563 mungen. In einer glänzenden Studie „L‘applicazione dei concilio di Trento in Italia“ verweist zunächst Giuseppe A 1 b e r i g o u. a. auf die einschlägigen Arbeiten von H. Jedin „Kardinal Contarini als Kontroverstheologe“, auf O. Viviani’s „La riforma sociale cattolica del vescovo G. M. Giberti“, und auf D. Cantimori’s Werk „Eretici italiani nel Cinquecento“. Im Laufe seiner Untersuchungen gelangt Alberigo zu dem Ergebnis, daß eine dauernde Festsetzung des Protestantismus auf italienischem Boden durch das Fehlen von Territorialherren, die etwa die Forderung des „cuius regio .. hätten durchsetzen können, wohl nicht möglich war, den triden- tinischen Beschlüssen jedoch in den südlichen italienischen Tälern Grau- bündens und im Bereich des Aquilenser Patriarchats, wo die Verabreichung des Abendmahls noch jahrelang „sub utraque specie“ erfolgte, hartnäckiger und anfänglich auch erfolgreicher Widerstand geleistet wurde. Diese Erkenntnisse und die vorzüglich geschilderte Tätigkeit des Hl. Borromäus stellen aber nicht den essentiellen Wert dieses Beitrages dar. Dieser besteht vielmehr in der sorgfältigen Untersuchung aller in den Jahren 1945—1958 erschienenen Dissertationen und sonstigen Veröffentlichungen, die das Thema der Durchführung des Tridentinums in den italienischen Diözesen zum Inhalt haben. Die abschließende Beurteilung dieser zahlreichen Arbeiten ist gerecht und in den meisten Fällen für ihre Verfasser wenig schmeichelhaft. Wenn auch Giuseppe Alberigo die Tatsache begrüßt, daß der nach 1945 in den italienischen Hochschulen eingezogene Geist kirchengeschichtlichen Themen breiteren Raum wieder gewährt, und zugeben muß, daß den Dissertanten ja nur die Bearbeitung von Teilgebieten aufgetragen worden war — in den meisten der vorliegenden Fälle beschränkte sich die Darstellung in der Schilderung der bischöflichen Visitationen — so gelangt er dennoch zu der bitteren Erkenntnis, daß sich unter den künftigen Historikern wohl kaum der Autor einer Kirchengeschichte Italiens des 16. Jhdt. befinden dürfte. Unter Ausschöpfung trefflich ausgewählter und ergiebiger Quellen zeichnet Aldo B e r s e 11 i in dem umfangreichen Aufsatz „La questione ferroviaria e la rivoluzione Parlamentäre“ die im Zusammenhang mit dem Ausbau des italienischen Eisenbahnnetzes in den Jahren 1860—1876 aufgetauchten Fragen, zu denen jeder italienische Politiker und Publizist in irgend einer Form Stellung bezogen hat. Einige wenige, auf staatliche Zuschüsse angewiesene Privatgesellschaften hatten das im Jahre 1860 nur 1500 km umspannende Bahnnetz in fünfzehnjähriger Tätigkeit auf 5000 km erweitert und sich dabei übernommen. Als Verfechter einer ausgeprägten, und durch die prekäre finanzielle Lage des jungen Staates durchaus berechtigten Austeritypolitik verweigerte der Piemontese Quintino Sella, Finanzminister unter Ratazzi, La Marmora und Lanza diesen Eisenbahngruppen weitere Subventionen, da er in einem „riscatto“, d. h. in der Übernahme ihrer Funktionen durch den Staat die sparsamere Lösung erblickte. Die parlamentarische Mehrheit erzwang, 1873, den Rücktritt des Finanzministers, der jedoch als Führer der politischen Rechte eine gewichtige oppositionelle Gruppe in der Kammer bilden konnte. In der Absicht, eine breitere Basis für die Durchführung seines Regierungsprogramms zu finden, das u. a. auch engere Bindungen mit dem Deutschen Reiche und 36*