Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
Rezensionen 519 schnitte behandeln die Spättaufe, die Eucharistie und den Bann, die Gütergemeinschaft, die Frau und die Ehe. Zwischen Ehemeidung und Vielweiberei spannt sich der eigenartige Bogen innerhalb verschiedener Brüdergemeinden. Religiöse Phantastik und, wie der Autor vermutet, die Erfüllung der Zahl von 144.000 Auserwählten spielten hier eine Rolle. Zschäbitz mahnt, sich über diese Dinge nicht von der modernen Blickrichtung aus zu entrüsten, sondern sie im Sinne der Wandelbarkeit der Eheform innerhalb der menschlichen Geschichte zu betrachten (115 f.). Es ist dazu die Frage zu stellen: Ist denn die christliche Eheform wirklich derart wandelbar und handelt es sich nicht hier um durchaus abwegige, übrigens bald verlassene sektiererische Sonderformen, die niemals Allgemeingültigkeit erlangten? Im dritten Kapitel wird ein interessanter Überblick über die spätmittelalterlichen Häresien und Sekten in Deutschland gegeben, an welche im weiteren Sinne das Täufertum zweifellos anknüpft, obwohl es konkret „ein Kind der lutherisch-zwinglianischen Reformation“ ist. Besondere Beziehung zum Hussitismus, bei dem der Blick wieder in erster Linie auf die revolutionäre Note und den soziologischen Untergrund der Bewegung gerichtet ist, wird beobachtet. Hier und dort überwiegt im Anfang der Druck des niederen Volkes, das durch wenige gebildete Menschen geführt wird, später hingegen münden beide Bewegungen in die bürgerliche Schicht ein. Auffällig ist die Beziehung religiöser Lehren der Täufer zur frühen Tabo- ritenbewegung, was der Autor im einzelnen beweist. Das Ergebnis der Untersuchung der sozialen Struktur des Täufertums ist interessant und es tritt hier zutage, daß für Mitteldeutschland etwa dieselbe Verteilung gilt, wie für die Schweiz. Tragend war der städtische Handwerkerstand, insbesondere Müller, Schmiede, Wirtje, deren Beruf starken Kontakt mit den Menschen und die Möglichkeit der Bildung geheimer Zirkel gewährleistet. Eine klare Zusammenfassung beleuchtet das Ergebnis der sehr exakten Arbeit. Einige kleine Anmerkungen seien erlaubt. In dem umfangreichen Verzeichnis der benützten Literatur fehlt das immerhin einschlägige große Werk von Günther Franz über den deutschen Bauernkrieg. Bei dem sehr zu beachtenden Bemühen um Verständnis religiöser Glaubensinhalte und -formen ist hier doch der alte protestantische Irrtum bezüglich angeblicher „Magie“ bei katholischen Sakramenten eingeflossen (88, 89, 94). Von magischen Kräften, die der bei den Sakramenten verwendeten Materie innewohnen, kann hier doch keine Rede sein. Bei der Behauptung, Norbert von Xanten habe sich eines Taschenspielertricks bedient, um vorzugeben, Tote lebendig zu machen, wäre es am Platz gewesen, einen Quellenhinweis zu geben (20, Anm. 36). Für die Pastoralbriefe, die seit jeher dem Apostel Paulus zugeschrieben wurden, läßt sich das Gegenteil keineswegs nachweisen (107). Anna C o r e t h (Wien). S t a m e r Ludwig, Kirchengeschichte der Pfalz, III. Teil, 2. Hälfte. Von der Reformation zur Aufklärung. Ende der mittelalterlichen Diözesen. (1685— 1801). Pilger-Verlag, Speyer 1959. 251 Seiten, 4 Kunstdruck-Abb., 1 Karte, gebunden.