Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

WALDSTEIN-WARTENBERG, Berthold: Die Grundherrschaft der Herren von Arco bis zu ihrer Erhebung zur Grafschaft im Jahre 1413

40 Berthold Waldstein-Wartenberg Albertus Gamba aus, er hüte seit 10 Jahren das Vieh und die Pferde des Ulrich von Arco. Diese würden gemeinsam mit denen der übrigen Ein­wohner der Marktgemeinde täglich herbeigetrieben. Es war demnach da­mals bereits die Stallhaltung üblich, wonach die Tiere nur bei Tag und bei warmem Wetter auf die Weide getrieben und hier einem Hirten über­geben wurden 240). Während Albertus Gamba nur die Tiere der Arcos zu beaufsichtigen hatte, waren andere Hirten mit der Hut der Herden der übrigen Ortsbewohner betraut. Als Ulrich und Friedrich von Arco mit Zustimmung der Nachbarschaft (vicinitas) von Arco Bosinus, Riprandinus und Basilicus erlaubten, ihre Pferde in Linfano weiden zu lassen, mußten diese dafür dem Hirten Malagotus zwei Paar Sandalen jährlich geben241). Auch die Hirten der Herren erhielten Sandalen als Lohn 242). Im Gegensatz zum Großvieh werden Schweine häufig als Abgabe von den Hintersassen erwähnt. 1262 hatten Bianca und Berthold, die beide aus dem Ledrotale stammten, als Abgabe je eine Schweinsschulter zu ent- ridhten 243). Ebenso erwähnt das Einkünfteverzeichnis von Ledro aus dem Jahre 1277 eine Person, die eine Schweinsschulter abzuliefern hatte 244). Da diese Abgaben im engsten Zusammenhang mit der als „amisera“ be- zeichneten Leistung stehen 245), dürfte Schweinefleisch häufig auf die Burg Arco geliefert worden sein, weshalb sich eine Eigenzucht erübrigt haben wird. Die Verbreitung dieser Verpflichtung zeigt uns, daß die Schweinezucht, die auf der ganzen Grundherrschaft geübt wurde, in erster Linie von den bäuerlichen Betrieben gehandhabt wurde und die Grundherr- sehaft ihren Bedarf daher vornehmlich aus deren Abgaben decken konnte. Ganz gefehlt dürfte auch die Schweinemast auf den Eigengütern nicht haben. Darauf deuten die zahlreichen Getreideabgaben, die in Sürch ge­leistet wurden, der, wie wir oben gehört haben, gerade als Mastfutter Verwendung fand. Im 15. Jhd. konnte die Grundherrschaft ihren eigenen Fleischbedarf nicht decken. Es mußten im Herbst große Mengen von Fleisch angekauft werden, die, geräuchert, für den Verbrauch des ganzen Jahres dienten. In der Zeit von August 1407 bis Mitte März 1408 wurden durch den arcoischen Verwalter angekauft 246): 380 Pfund Kalbfleisch, 860 Pfund Rindfleisch, 8 Pfund Schweinefleisch, 665 Pfund Hammelfleisch, 139 Pfund Ziegenfleisch, 56 Pfund Fett und 11 Hühner. Aus dieser Aufzählung er­gibt sich, daß Kalb-, Rind- und Hammelfleisch nur zum geringsten Teil aus der Grundherrschaft bezogen wurde, was zumindest beim Hammel­fleisch umso erstaunlicher ist, da doch genügend Viehhöfe vorhanden 240) Vgl. dazu: M. Heyne: Deutsche Hausaltertümer II., 1901, S. 201. 241) Stadtarchiv Arco, Dozz 13. 242) Sammlung Segala, 20. Bd., f. 27. 246) Arco-Archiv Mantua, Busta 9. 244) Ebda, Busta 10. 245) Siehe oben S. 25. 246) Trient, Biblioteca comunale, Sammlung Segala, 20. Bd., fol. 427.

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