Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

MECHTLER, Paul: Erinnerungen des Dr. Karl Freiherrn von Banhans (1861–1942)

412 Paul Meehtler reich errichtet wurde, nieder und beteten, es möge die Austria vom Himmel herabsteigen und wieder über sie herrschen! Linz am 27. Dezember 1918. Landespräsident Dr. Josef Graf Ezdorf. 1. Oktober 1923: Inkrafttreten der neuen Organi­sation der Bundesbahnen (Kommerzialisierung); Stellenbesetzung der leitenden Posten und Tätig­keit der Verwaltungskommission unt er dem ersten Präsidenten, Dr. Georg Günther (f 1 9 4 5) 8). „Unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers Seipel und des Ministers Dr. Schürff fanden in den ersten Monaten des Jahres 1923 eingehende Besprechungen wegen Lösung der die ganze Bevölkerung gleich inter­essierenden Bundesbahnfrage statt. Der dem Ministerratspräsidium zu­geteilte Ministerialrat Dr. Gärtner war mit der Ausarbeitung der Gesetz­entwürfe betraut worden, und es wurde ihm ein einflußreicher Posten in dem neuen Unternehmen in Aussicht gestellt; das ihm gegebene Ver­sprechen wurde jedoch nicht eingelöst, obwohl der Mohr seine Schuldigkeit getan hatte! Am 19. Juli 1923 beschloß endlich der Nationalrat das Bundes­gesetz über die Bildung eines Wirtschaftskörpers „österr. Bundesbahnen“. Da ich vom Bundeskanzler Seipel Ende des Jahres 1922 auch mit der Reorganisation des österreichischen Rechnungshofes betraut worden war, stand ich mit dessen Präsidenten Baron Beck in engerer Fühlung. Die Sommermonate verbrachte ich seit dem Zusammenbruche der Monarchie, da ich wegen Geldmangels nicht reisen konnte, auf dem Gute meines Schwiegervaters im Mürztale. Dorthin sandte mir nun am 11. August Max Wladimir Beck einen Brief, in dem es heißt: „Kurz vor meinem Urlaubs­antritt sprach Bundeskanzler Seipel mit mir über die neue Bundesbahn­organisation, an der ich nebenbei bemerkt, einiges auszusetzen hatte und besprach mit mir auch die hiemit in Verbindung stehenden Personal­angelegenheiten, nannte Dich an erster Stelle für den berufensten Präsi­denten der neuen Verwaltungskommission oder für den noch mit einer größeren Verantwortung ausgestatteten Generaldirektor dieses Unter­nehmens. Ich weiß nicht, für welche dieser Stellungen Du Dich entscheiden wirst? Ich beeile mich Dir mitzuteilen, daß Dich der Kanzler in der näch­sten Woche zu sich bitten will und beglückwünsche Dich weniger, als ihn zu seiner Absicht, Dich mit dieser so verantwortungsvollen Aufgabe be­trauen zu wollen. Bitte teile mir bald Deine Entscheidung mit. Hoffentlich sprechen wir uns in Bälde — bis dahin Gott befohlen! Max Beck.“ Den nächsten Tag schrieb mir der gewesene Unterstaatssekretär von Enderes, welcher mit dem Verkehrsminister Dr. Schürff sehr befreundet war, in gleichem Sinne und bat mich, ja nicht abzulehnen, da er für den s) Zum Vergleich: Dr. Günther, G.: Lebenserinnerungen, Wien 1936, S. 231 ff. Manuskript: 1/9, S. 8 ff.

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