Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ROEMHELD, Friedrich: Konstantin Reitz. Ein vergessener Vorkämpfer für abendländische Kultur in Afrika

290 Friedrich Roemheld eher Eigenschaft in der kleinen Kreisstadt Dieburg und seit 1829 in Eber­stadt bei Darmstadt. 1831 wurde ihm die Forstinspektorstelle zu Rodheim bei Friedberg in Oberhessen übertragen. Er konnte sie aber wegen häufi­ger Erkrankung an der Gicht auf die Dauer nicht versehen. Daher wurde er 1832 wieder nach Dieburg versetzt, wo man ihn bei seinem Wegzug im Jahre 1829 zum Ehrenbürger ernannt hatte. Hier starb er wenige Monate vor seinem Sohne Konstantin am 12. Februar 1853. Seine Frau Luise war die Tochter des Pfarrers Konrad Daniel Römheld2) zu Meiches im Kreise Lauterbach und der Karoline Magdalene Friederike G e r 1 a n d. Dem Ehebund des Christoph Reitz und der Luise Römheld sind vier Söhne und zwei Töchter entsprossen. Ihr ältestes Kind ist Konstantin ge­wesen. Über seinen Werdegang in der Kindheit ist uns nichts überliefert. Die Schauplätze seiner Jugend wurden bestimmt durch die verschiedenen Dienststellen seines Vaters, und wenn wir aus dem Bilde des Mannes Rück­schlüsse ziehen dürfen auf die Entwicklung seiner Wesensart im Kindes­alter, so stellen wir uns den Knaben vor, wie er den Vater auf seinen Pirschgängen in den Wald begleitet, wohl auch früh schon selbst das Wild beschleichen lernt und dabei eine sichere Hand und einen klaren Blick für die Dinge der Umwelt gewinnt. „Es gewährte mir“, schreibt er später ein­mal3), „von Jugend auf ein unsägliches Vergnügen, die wilden Elemente zu betrachten und an ihrem Anblick mein Herz zu laben, das dann voller dem erhabenen Schöpfer des Weltalls entgegenschlug.“ Auf solchen Wanderun­gen und Fahrten mag er seinen Körper frühzeitig geübt und abgehärtet haben durch Klettern, Springen und Schwimmen, und zugleich entwickelten sich wohl auch die Eigenschaften, die ihn später zu so großen Leistungen befähigen sollten: Mut, Entschlossenheit, Umsicht, ein kühnes Drauf­gängertum, zielbewußter Wille, Ausdauer und Beharrlichkeit. Das alles sind Züge, wie sie der Jäger- und Försterfamilie Reitz eigentümlich gewesen sein mögen. Sicher aber hat auch die humanistisch-theologisch gerichtete Familie der Mutter dem Jungen manches auf den Lebensweg mitgegeben. Schon als Knabe und Jüngling befaßte er sich gern mit humanistischen Studien, und er muß sehr sprachbegabt gewesen sein, denn er konnte später englisch, französisch und italienisch sowie arabisch und türkisch geläufig sprechen und schreiben und mit den Eingeborenen Afrikas in ihren heimi­schen Mundarten verkehren. Vor allem aber hat er sich auch auf seinen Reisen und später in seiner Berufstätigkeit im Sudan und in Abessinien den Eingeborenen gegenüber immer als Träger einer höheren Kultur ge­fühlt, der er sich verpflichtet fühlte. Das Bewußtsein, Vorkämpfer einer edleren Menschlichkeit zu sein, hat ihn nie verlassen, es war eine Haupt­quelle seiner Stärke, ein Anreiz, im Kampf gegen Schwierigkeiten aller Art. 2) Über die Familie Römheld vgl. August Römheld a. a. O. und DGB Bd. 98, S. 269 ff. — 3) In einem auszugsweise in der Darmstädter Zeitung 1852 (Nr. 354, S. 2016) veröffentlichten Brief aus Abu Hammed am Nil vom 2. September 1852.

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