Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden

Eugen Beauharnais’ Königreich Italien beim Übergang' zur österr. Herrschaft 267 rüCht26). Die früheren italienischen Historiker sehen in den österreichi­schen Offizieren Agenten26). Erst Francesco Lemmi kommt auf Grund österreichischer Archivstudien der Wahrheit nahe. Er nennt auch den Namen Weldens und schildert seinen Einzug auf folgende Art: „Weiden et deux autres officiers, qui ont été envoyés ä Milan pour conduire les colonnes francaises en France, ont été regus du peuple comme les dieux“ 27). Über das Zusammentreffen mit Pino und dem Senat und die damit ge­pflogenen Verhandlungen enthält die Literatur nichts. Daß Weiden im Auf­träge Beauharnais’ nach Mailand kam und einer seiner Begleiter französi­scher Offizier war, ist bisher unbekannt geblieben. Die italienischen Literaten, die sich am Aufstand beteiligten, waren später die ersten Träger des nationalen Kampfes gegen Österreich, zu einer Zeit, in der an kriegerische Auseinandersetzungen nicht zu denken war. Bezeichnend für ihre Haltung und die Meinung Beauharnais’ über seine Italiener ist seine Äußerung, Gasparinetti, Foscolo und der 1813 verstorbene Ceroni würden ihm noch mehr zu schaffen machen als sein ganzes Heer!28). Der Verlauf der Ereignisse in Mailand zeigte, daß, nachdem die Freude des Pöbels an Plünderungen verraucht war, keine gestaltenden Kräfte hin­ter der Aktion standen. Es ist daher schon fast zuviel gesagt, wenn der Bericht im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien über die Ereignisse in Mailand zwischen dem 17. und 21. April 1814 drei Ziele dieser Bewegung feststellt: 29) Der Aufstand habe sich einmal gegen die Fremdherrschaft gerichtet, zum zweiten hätte er das Königreich Italien gegründet auf den liberalen Grundsätzen der Revolution und den Volks willen retten wollen und zum dritten eine Manifestation für die in Paris versammelten Mächte sein sollen. Kein Genie hätte es damals zuwege gebracht, ein nationales italienisches Königreich zu schaffen. Ugo Foscolo meinte: „Die Italiener sind jetzt von einer Art, daß tausend Lykurge und zehntausend Timoleon und 100.000 Washington und eine Million spartanischer Krieger es nicht zustande bräch­ten, sie als Nation zu konstituieren.“ Die Delegation aus Mailand, die Kaiser Franz in Paris die eiserne Krone der Lombardei anbot, hatte mehr Anhänger hinter sich als Pino. Der erste in Paris war der von Weiden in Mailand eingetroffene Federigo Confalionieri, der auch zu den Anfüh­rern des Aufstandes vom 20. April gehört hatte und nun auf eigene Faust 26) Helfert, a. a. O., S. 433. 26) Vgl. G. Castro, La caduta del regno italico, Milano 1882, S. 180 ff. 2D F. Lemmi, a. a. O., S. 183. 28) Diese Äußerung bringt H. Gervinus, Geschichte des 19. Jahrhunderts seit den Wiener Verträgen, 1855, Bd. 1, S. 455. 2») Relazione della Reggenza sugli avvenimenti di Milano, dal 17 al 21 aprile 1814, veröff. v. F. Lemmi, a. a. O., S. 397—400.

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