Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

HRAZKY, Josef: Die Persönlichkeit der Infantin Isabella von Parma

Die Persönlichkeit der Infantin Isabella von Parma 189 Ihre Briefe weisen in die Wertherzeit voraus, wie oft droht sie darin, sich aus unglücklicher Liebe eine Kugel durch den Kopf zu jagen oder in die Donau zu gehen, ein Jahrzehnt vor dem weltberühmten Selbstzerstörer. Manches Stimmungsbild, dem morgenroten Himmel abgesehen, kritzelt sie flüchtig ihrer Mimi hin. Wäre sie eine deutsche Schriftstellerin geworden, sie stünde mitten zwischen dem Rokoko, dort wo es am tiefsten war, Brockes’ geistlichen Gesängen und Hallers Naturbildern, und dem aufkeimenden Sturm und Drang. Doch für sie war das Schreiben so wie das Malen und Geigen nur eine Äußerung ihrer so unendlich reichen Natur, sie mußte zu den Künsten greifen, um ihrer inneren Überfülle Luft zu schaffen, wie sie atmen mußte, um zu leben. Dieser Geistesreichtum war ihr nicht geschenkt, um an Nachkommen aus­geteilt zu werden. Rasch waren nach einer schweren Geburt und drei Fehl­geburten die Reserven ihrer Physis erschöpft. Sie hatte es immer gewußt und alle ihre Heiterkeit war mit Abschiedsweh getränkt. Ihr Todeskampf, nachdem die schwarzen Blattern sie befallen hatten, war schwer, sie war ja noch nicht 22 Jahre alt und irgendwo lag in ihr eine zähe Widerstands­kraft, von den Ahnen vererbt. Am 27. XI. 1763 starb sie. Joseph blieb bis zuletzt an ihrer Seite. Er war im Tiefsten durch diesen Tod verwandelt und hatte doch zu sich selbst zurückgefunden. Nun war alle menschliche Schwäche in ihm getilgt, er brannte wie eine reine Flamme im Dienste seines Werks. Das Andenken, das er seiner Gattin bewahrte, äußerte sich in einziger Ai’t in dem an die Kaiserin gerichteten Antrag über die Wahl einer Er­zieherin für sein Töchterchen Maria Theresia27). Trotz der Kürze ihres Daseins hat die Kronprinzessin tief auf das Schicksal Österreichs und Europas eingewirkt. Der Wunsch ihrer Mutter, sie möglichst günstig zu etablieren, führte das .renversement des allian­ces* herbei und eröffnete die Reihe verhängnisvoller bourbonisch-habsbur- gischer Familienverbindungen. Auch die Wirkung, die sie auf ihren Gatten übte, reichte weit über ihre Lebensspanne hinaus. „Elle lui a formé le coeur“, sagt die verw. Fürstin Schönborn, geb. Prinzessin Salm-Salm, bei Zinzendorf am 23. II. 1764. Schließlich ging die Neugestaltung der öst. Armee durch Joseph und Lacy auf ihren Impuls zurück. 2?) Joseph II. über die Erziehung seiner Tochter. Eingabe vom 24. II. 1766: „L’education de Ma fille, qui est, et sera peut-etre l’unique que j’aurai, interessé trop Mon devoir, et Ma tendresse de Pere, surtout etant privée d’une Mere, dönt l’Esprit superieur, et les talents auroient été plus que süffi­santes pour la diriger, et elever tout seule. Je me vois obligé de coucher ici Mes foibles pensées, qui n’ont d’autre merite, que celui d’etre sinceres, et telles, que le peu d’experience, que j’ai, et puis avoir, surtout en Education de Prin­cesses, Me le dicte.“ (HHStA., Farn. Akten, Schachtel 55, Fol. 1—20).

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