Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
72 Richard Blaas von Rechtsgelehrten einer Eignungsprüfung zu unterziehen139). Gegen diese ungewöhnliche Neuerung — man sieht daraus, wie lange die Mot- mann-Affäre aus dem Jahre 1627 nachwirkte — opponierte Peutinger recht geschickt mit dem Hinweis: alß weilen nicht bräuchlich Jemandem ahn dem orth, von welchem er praesentirt werden soll, sondern ahn dem, wohin er praesentirt würdt zue examiniren, wie solches das herkhomben nicht allein bey der Rota Romana sondern auch bey dem Cammergericht zu Speyr auß- weise. Außerdem, konterte er, würde ein derartiges Examen seinem Ansehen schaden und ein unliebsames Präjudiz für künftige Kandidaten vorstellen und wahrscheinlich auch in Rom als Vorgriff auf das Bestätigungsrecht des Papstes angesehen werden. Um diese von höchster Stelle ausgehende Insinuation nicht völlig abzulehnen und dadurch vielleicht die kaiserliche Ungnade zu riskieren, erklärte sich Peutinger bereit, sich einem privaten Kolloquium, das nicht die Form eines Examens hätte, gern unterziehen zu wollen. Der Reichshofrat konsultierte daraufhin nochmals den Nuntius Baglione und den Wiener Bischof und trug auf die Ernennung Peutingers und Streichung des Examens an140). Nach diesem sorgfältigen Ausleseverfahren wurde Peutinger mit kaiserlicher Resolution vom 7. Juni 1638 zum kaiserlichen Auditor ernannt. Auditor Christoph Peutinger ist am 15. August 1602 als Sohn des Konrad Peutinger, Bürgermeisters von Augsburg geboren, studierte bei den Jesuiten in Augsburg und Dillingen, wurde 1623 ans Germanikum entsandt, das er sehr bald aus Gesundheitsrücksichten wieder verlassen mußte. Er absolvierte dann in Bologna und Perugia das Jus- studium, praktizierte in Rom 4 Jahre als Adjutor studii beim Auditor der Rota Pirovano und war anschließend 6 Jahre im päpstlichen Verwaltungsdienst in Verwendung, zuletzt als Richter in Ravenna141). Am 16. Oktober 1638 reichte er sein Motuproprio bei der Rota ein und wurde am 29. März 1639 in aller Form als Auditor in die Rota aufgenommen 142). Während der drangvollen Jahre des Dreißigjährigen Krieges leitete er zu wiederholten Malen auch die Geschicke der deutschen Nationalstiftung143). Auf seine diplomatische Tätigkeit, die nicht über den Rahmen des den kaiserlichen Auditoren zustehenden diplomatischen Status hinausging und auf 139) 1, c. Vortrag vom 29. Mai 1638: In Sachen der Auditoratstelle in Rota Romana betreffend werden E. k. M. gehorsambst erinnert, waßmassen Christoph Peutinger, alß demselben an verwichnen Freytag ahngedeuttet worden, daß E. k. M. zwar gdst. gegen Ihn gewogen, jedoch biß dahin sich noch in nichts resolviert, alß daß E. M. Reichshofraths Präsident mit Zueziehung von Rechtsgelehrten Ihm waß besser in der Jurisprudentia versuechen solten .. . 14°) 1. c. 141) 1. c. Curriculum vitae in der Eingabe Peutingers an den Fürstbischof von Wien vom 15. Mai 1638. 142) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 480. 14S) Schmidlin, Anima S. 475; L. C. pag. 205.