Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 69 zuschirmen, wurde eine sorgfältige Überprüfung der Kompetenten durch die deputierten Räte des Reichshof rates angeordnet. Die Kandidatenliste führt primo loco der Augsburger Patriziersohn Christoph Peutinger an, der, seit einigen Jahren schon bei der päpstlichen Zivilverwal­tung in Ravenna tätig, über hoohmögende Befürworter verfügte, unter denen wohl der einflußreichste der Kurfürst Maximilian von Bayern war127). Gleichzeitig mit dem Kurfürsten von Bayern intervenierte auch der Erzkanzler des Reiches, der Erzbischof von Mainz, für Peutinger und zwar mit ähnlichen Hinweisen auf das nationale Ele­ment dieser zu vergebenden Stelle, für die sich, wie er meint, sicher eine Reihe von Bewerbern melden werden insonderheit aber die Lütticher unndt andere deren endts gebürtige ... gleichwohl aber meines ermessens allen des heiligen Reichs gehorsamben stendten daran mercklich gelegen, daß diese vornehme stell mit einem hochteutschen wohl qualificirten subjecto hinwieder ersetzt werde128). Die eigenhändige Supplik des Christoph Peutinger an den Kaiser wird noch unterstützt durch ein in warmen Worten gehaltenes Empfehlungsschreiben von Pfleger, Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg, die darin nicht versäumen, die Verdienste der Familie Peutinger um das Reich und das Haus Österreich herauszustellen129 *). Von Rom aus ging noch am Todestag Motmanns ein Gesuch seines Neffen Wilhelm an den Kaiser ab um Verleihung der Auditorstelle 13°). Die Bewerbungen aus dem Westen des Reiches, der bisher ja fast aus­schließlich die Amtsinhaber gestellt hatte, gelangten über die kaiserlichen Abgesandten Hermann Questenberg und Johann Crane, die sich zwecks Friedensverhandlungen in Coin aufhielten, an die Reichskanzlei und den Kaiser. In dem bezüglichen Bericht erwähnen die Deputierten zunächst, daß sich der Kölner Nuntius angelegentlichst erkundigt habe, ob die nomi­nation zu derselben stell E. kais. Maj. allein oder etwa auch den Herrn 127) Das erste Empfehlungsschreiben des Kurfürsten Maximilian von Bayern s. h. Anm. 125; das zweite datiert vom 1. April 1638: weil ich doch vernimb, daß Er Motmann inzwischen mit schwerem Leibs zuestandt ange­griffen und seines ufkhommens wenig hoffnung vorhanden seye, hab ich ange- deuthe mein recommendation zu dem end widerholen wollen, daß es Euer kais. Maj. auf erfolgte erledigung mehrbedeuten auditorats etwan auf hochteutsche subjecta gedenkhen und gedachten Peutinger auf das wenigist under andern, die Sy zu solcher stell nominiem zugleich mit einkhomen und darbey diese mein für Ihne erwiderther vorschrüfft und mir durch die seinige hievor geleisten treuen diensten gemessen lassen wollen. St. K. Rom, Varia Fasz. 7, Konv. Beset­zung des Auditoriats der Rota nach dem Tode des Heinrich Cornelius Motmanns durch Christoph Peutinger 1638. 128) 1. c. Kurfürst von Mainz an Ferdinand III. Martinsburg, 3. Mai 1638. 129) 1. c. Supplik Christoph Peutingers an den Kaiser vom 5. Mai 1638; Pfleger, Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg an Ferdinand III. 6. Mai 1638; Christoph Peutinger an Fürstbischof von Wien, 15. Mai 1638. 13°) 1. c. Wilhelm Motmann an Ferdinand III. 24. April 1638.

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