Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana
Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 55 wie seine spätere Verwendung als Nuntius zeigt, sich durch eine ausgezeichnete Kenntnis der verworrenen deutschen Kirchenangelegenheiten für dieses Amt qualifiziert hatte, die Verbindung zwischen dem kaiserlichen Auditoriat und der kaiserlichen diplomatischen Vertretung hergestellt wurde, eine Verbindung, die fortan immer mehr ausgestaltet wurde und eine immer engere Bindung bedingte. Gropper wurde vom Kaiser in ■verschiedenen Angelegenheiten zur Mithilfe herangezogen, was ihm Kaiser Rudolf II. selbst bescheinigte: avendo questa casa d’Austria ricevuti molti honorati servigi da monsignore Groppero 72 73 74). Bereits 1566 lassen sich die ersten Spuren des Zusammenwirkens zwischen kaiserlichem Auditor und kaiserlichem Gesandten aufzeigen 7S), dessen Intensität sich darin manifestiert, daß Gropper dem Kaiser für das Bistum Wien als geeignetster Kandidat vorgeschlagen wurde74 *). Groppers Tätigkeit an der Rota war faktisch 1573 beendet, als er in der Eigenschaft eines Nuntius für Süd- und Westdeutschland am 22. Juli 1573 Rom verließ. Seine schwierige und nicht sehr erfolgreiche Nuntiatur75), glaubte er durch eine baldige Rückkehr nach Rom hinter sich bringen zu können. In Rom zögerte man zunächst seine Rückkehr immer wieder hinaus, ließ ihn den Mißerfolg seiner diplomatischen Unternehmung spüren und beklagte seine spärliche Berichterstattung. Als Rom dann ab 1576 auf seine Rückkehr drängte, schlug bei Gropper die Stimmung um, er zog sich völlig auf sich selbst zurück, reagierte auf die wiederholten Mahnschreiben betreffs seiner Rückkehr überhaupt nicht mehr, auch nicht, als ihm der Papst mit Enthebung von seinem Auditoriat drohte78). Die Weigerung Groppers, an die Rota nach 72) Joseph Hansen, Nuntiaturberichte aus Deutschland 1572—1585 hrg. durch das k. preußische historische Institut in Rom (Berlin 1892) III/l. Der Kampf um Köln 1576—1584, S. 729, Anm. 1. 73) W. E. Schwarz, Briefe und Akten zur Geschichte Maximilians II. I. Theil, Der Briefwechsel des Kaisers Maximilian mit Papst Pius V. (Paderborn 1889), S. 68, 144 ff. 74) Der kaiserliche Sekretär in Rom, Galeazzo Cusano, berichtet am II. Dezember 1568 von einem mit dem Kardinalprotektor der deutschen Nation, Otto Truchseß von Waldburg, in Gegenwart Groppers geführten Gespräch, in dessen Verlauf der Protektor, Gropper angelegentlichst dem Kaiser für das Bistum Wien empfehlen läßt: Groppero é molto affetionato servitore della Mtä. V., il quale S. S. Illma. (Truchseß) dice, che sarebbe molto a proposito per la chiesa di Vienna, che sa, certo riusciria per essere Huomo di esemplar et di buone lettere, come per esser della natione Germann. Sa che ancora sodisfaria molto a questi populi. In öltre essendo pratico di cose di Roma le potria giovar assai siando appresso della Mtä. V., ch’essendo huomo di retta conscienza la consiglaria sempre in ogni cosa bene e fuori d’ogni suo proprio interessé. St. K., Rom, Correspondenz Fasz. 30. Vgl. Schwarz, Die Nuntiatur-Korresp. Groppers, S. XXIX. 75) ( Über Groppers Nuntiatur s. h. W. E. Schwarz, Die Nuntiatur-Korrespondenz Kaspar Groppers (1573—1576), Paderborn 1898. — J. Hansen, Nuntiaturberichte aus Deutschland 1572—1585 (Berlin 1892) III/l, Anhang, Begründung der ständigen Nuntiatur zu Köln, S. 719 ff. 78) J. Hansen, Nuntiaturberichte III/l, S. 726 ff.