Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945

540 Literaturberichte Interessant ist eine Polemik des Kardinalstaatssekretärs Antonelli gegen den Nationalismus, wobei er darauf hinwies, daß Napoleon selbst in Kor­sika, Elsaß und Algerien andere Nationalitäten unter seiner Herrschaft habe (S. 23). Das 2. Kapitel behandelt das Verhalten Bayerns und der anderen deutschen Staaten zur italienischen Frage, u. zw. zunächst aus­führlich Bayern selbst, seine militärische und politische Lage in Europa und besonders im Deutschen Bund, wo es bestrebt war, gegen das preu­ßische Übergewicht die Sache Österreichs zu fördern. Die Sorge um die Verteidigung der Rheinpfalz spielte dabei eine nicht unbeträchtliche Rolle. Anschließend wird die Stellungnahme Österreichs und Preußens erörtert, wobei dem Einfluß der englischen und russischen Politik auf die Haltung Preußens ein eigener Unterabschnitt gewidmet ist. Der Rest des Kapitels befaßt sich mit dem bairischen Vermittlungsvorschlag, dem Notenwechsel zwischen Österreich und Preußen sowie der Haltung Bayerns und der übrigen deutschen Staaten. Im 3. Kapitel wird die Spannung zwischen Frankreich und Bayern, die sich vor allem auch durch die stark öster­reichfreundliche Haltung der öffentlichen Meinung in Bayern ergab, dar­gelegt und die Bedeutsamkeit der von Preußen in Paris und Turin betont zur Schau getragenen Neutralität hervorgehoben. Sowohl Bayern als auch andere deutsche Staaten waren bemüht, die Wirkung dieser preußischen Neutralitätsversicherungen in Frankreich abzuschwächen. Im folgenden 4. Kapitel behandelt Verf. die englischen Vermittlungsversuche, den von Rußland ausgehenden Kongreßvorschlag und die österreichische Kriegs­entschlossenheit, um sich in den abschließenden Kapiteln 5 und 6 wieder eingehend den Vorgängen in Deutschland innerhalb des Bundes sowie zwischen Preußen und Österreich bis zum Ultimatum zu widmen. Inter­essant sind hier vor allem auch die Einblicke in die Arbeitsweise der bai­rischen Staatsführung, wobei — ebenso wie auch späterhin — der starke Anteil des Königs und von der Pfordtens — auch in der Zeit, als er Bundestagsgesandter war — besonders auffällt. Der zweite Hauptteil behandelt die Ereignisse bis zum Frieden von Villafranca. Die Einleitung ist den Vorgängen in den oberitalienischen Flerzogtümern gewidmet, das sehr ausführliche 1. Kapitel wieder den innerdeutschen Verhandlungen und Verhältnissen bis zur preußischen Mobilisierung. Hier nehmen die Besprechungen und Erwägungen der bai­rischen Politiker mit dem König einen besonders breiten Raum ein. Verf. geht hier auch auf die Gründe für das Scheiden von der Pfordtens aus dem Außenministerium ein, die von den damaligen Diplomaten falsch beurteilt wurden. Anschließend behandelt das 2. Kapitel die Haltung Ruß­lands, Englands und vor allem Frankreichs, wobei neuerlich die Bedeutung der öffentlichen Meinung in Bayern besonders in Erscheinung tritt, was Frankreich Anlaß zur Besorgnis bot. Die preußische Mobilisierung ver­schärfte diese Befürchtungen und Verf. schreibt diesem Umstand den raschen Abschluß des Waffenstillstandes zu. Die Erlaubnis zum Transport österreichischer Truppen durch bairisches Gebiet vermehrte die Spannung zwischen Bayern und Napoleon. Im nächsten Kapitel wendet sich Verf. wieder den Vorgängen in den Herzogtümern, dem Kirchenstaat und Sizi­lien zu. Bemerkenswert ist dabei die in der deutschen Literatur bisher

Next

/
Oldalképek
Tartalom