Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945

538 Literaturberichte eines Kaisers Franz Josef und Napoleons III. wird durch die den Eindruck völliger Unmittelbarkeit bietende Darstellung farbiger und klarer, auch das der mithandelnden Kardinalstaatssekretäre und Kardinäle, der Minister und Botschafter wird einprägsamer und lebendiger. Man wird vor allem dem Autor nach der Lektüre dieses Buches gerne beipflichten, daß die österreichische Diplomatie wesentlich besser war als ihr Ruf. Das Buch, das der Autor seinen „Freunden in Österreich“ gewidmet hat und das vom Verlag vorzüglich ausgestattet ist, wird niemand, der es mit Interesse und Aufnahmebereitschaft gelesen hat, aus der Hand legen, ohne sich in diese Widmung einzubeziehen. Daß dieser Freundeskreis sich möglichst weit erstrecke, möge als aufrichtiger Wunsch in Erfüllung gehen. Richard B 1 a a s (Wien). Leber Marianne, Die italienische Frage in Bayerns Sicht und Politik von 1859—1865. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München. 1957. IX und 472 S. (Verytype). Verf. begründet die Themenstellung der vorliegenden Arbeit damit, daß das Problem der Einigung Italiens wohl schon oft von verschiedenen Standpunkten, besonders denen der Großmächte aus behandelt wurde, „nicht aber von dem Standpunkt eines kleineren Staates, der zwar an der italienischen Frage nicht völlig unbeteiligt, aber doch nicht unmittelbar daran interessiert war und dadurch zu einer objektiveren Beurteilung fähig wurde“ (S. VII). Die bairischen Diplomaten erweisen sich auch tatsächlich fast immer als sehr gut informiert und meist als recht gute Beobachter. Da alle auftauchenden Fragen dann in München sehr sorgfältig, ja geradezu ängstlich erwogen und erörtert wurden, wird das Bild von den Ereignissen und Tendenzen dieser so bewegten Zeit recht intensiv und plastisch. Dank sehr eingehender Archivarbeit konnte Verf. diese meist sehr langwierigen Verhandlungen weitgehend vollständig rekonstruieren, soweit sie überhaupt schriftlichen Niederschlag fanden und nicht etwa, wie dies bei der Frage des Asyls für den Papst der Fall war, fast alle Akten vernichtet wurden. Weiters will Verf. in ihrer Arbeit untersuchen, wie weit die dynastischen Bindungen, die zwischen dem bairischen Köngshaus und einigen regieren­den Fürstenhäusern Italiens bestanden, zur Richtschnur der bairischen Politik gemacht wurden, endlich die Rückwirkungen der italienischen Frage auf Bayerns Haltung zu Österreich und zum Deutschen Bund. Es ergibt sich, daß selbst die engen Familienbindungen zum Königreich Sizilien — Herzogin Marie in Bayern, die Schwester der Kaiserin Elisa­beth, heiratete 1859 den damaligen Kronprinzen und späteren König Franz II. — kaum praktische Folgen für die Handlungen Bayerns hatten. Einen recht großen Raum nehmen dagegen die Rückwirkungen der Vor­gänge in Italien auf den Deutschen Bund ein, ja man kann sagen, daß abgesehen von der Angst vor Frankreich wegen der Pfalz und wegen eines allfälligen Angriffs am Rhein eigentlich die Bundespolitik für Bayern auch in der italienischen Frage durchaus im Vordergrund stand. Die vorliegende Arbeit kann so ein recht anschauliches Bild von den innerdeutschen Ver­hältnissen geben, vor allem von dem Übergewicht Preußens; Bayern wagte

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