Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)
CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945
528 Literaturberichte verschiedenen Standpunkte, von denen aus die Gestaltung vorgenommen wird, auf die Darstellung abfärben muß. Daß Gesamtdarstellungen der Geschichte Österreichs in das Bücherverzeichnis absichtlich nicht aufgenommen wurden, ist sehr bedauerlich, denn gerade sie sind für den Leserkreis, an den sich das vorliegende Buch wendet, zu einem Weiterstudium unerläßlich und nebenbei nicht so zahlreich, daß sie in dem recht dürftig gehaltenen Bücherverzeichnis nicht unterzubringen gewesen wären. Die Ausstattung des Buches mit einer Vielzahl von ausgezeichneten Illustrationen, Plänen und Karten veranschaulicht in sehr ansprechender Weise die Texte, während die Übersichtstabellen, in denen der Versuch unternommen wurde, die Geschichte Österreichs mit der Weltgeschichte zu konfrontieren, meist in einem etwas fragwürdigen Kunterbunt verfließen und in dieser Form wohl als nicht geglückt zu bezeichnen sind. Bei einigen Legenden zu den dargebotenen Bildwiedergaben wäre die Angabe, wo sich das betreffende Original befindet, wünschenswerter als die Herkunftsangabe des Photos. Von diesen kleinen Mängeln abgesehen, kann dem im Vorwort dem Buche mitgegebenen Wunsch des Bundespräsidenten nach einer freundlichen Aufnahme in der österreichischen Bevölkerung nur volle Erfüllung gewünscht werden. Richard Blaas (Wien). G é n i c o t Leopold, Das Mittelalter. Geschichte und Vermächtnis. (Ins Deutsche übertragen und mit einem bibliographischen Anhang versehen von Sophie Buchmayer). Graz—Wien—Köln, Verlag Styria, 1957. XX und 467 Seiten. Beachtliche Widerstandskraft hat im großen und ganzen die traditionelle Abgrenzung des Mittelalters gegenüber allen Versuchen, die gesamteuropäische Geschichte neu zu gliedern, bewiesen. Daß markante Grenzdaten immer unmaßgeblicher wurden, die Grenzzonen sich hingegen bis in das Ausmaß eigener Perioden ausweiteten, kann bei der Vielfalt der nach und nach eingeführten Gesichtspunkte nicht verwundern. Allein dieses Ungefähr rüttelte nicht an der in sich gegliederten Einheit der Epoche, und wenn sich zuletzt Oskar Halecki (Europa. Grenzen und Gliederung seiner Geschichte. 1957. S. 131 f.) für eine Wende von den „vormittelalterlichen Jahrhunderten“ zum „europäischen Zeitalter“ im 10. Jahrhundert entschied, so mögen die Argumente für eine Periodisierung des Mittelalters genügen, für dessen Aufspaltung reichen sie jedenfalls — trotz Einbeziehung Osteuropas — nicht aus. Génicot liefert den Beweis dafür, daß der inhaltsarme, aber bisher nicht ersetzte Begriff keineswegs schon die Fiktion eines Zeitalters bedeuten muß; die „Einheit“ des Mittelalters hat somit eine neuerliche Bewährungsprobe bestanden. Allerdings wird man die im Titel der vorliegenden deutschen Ausgabe angekündigte Synthese von vorneherein auf das vom Autor selbst vorgezeichnete Maß reduzieren müssen, wenn man die französische Ausgabe (Les lignes de faite du moyen äge. 2. Auflage 1952) und das Vorwort des Autors (besonders S. 6) in Betracht zieht. Was geboten werden soll, ist ein Ablauf der „positiven Erscheinungen“, und zwar auch nur wiederum jener, „die auf dem Wege der Menschheit einen Schritt empor