Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

CORETH, Anna: Das Schicksal des k. k. Kabinettsarchivs seit 1945

516 Archivberichte Nondorf, das Schloß Ober-Höflein, ein Bergwerksstollen in Laufen, die Laimgrubenkirche in Wien und schließlich der Keller des ehemaligen Bankgebäudes in der Bankgasse 5 und jener des Haus-, Hof- und Staats­archivs selbst, in den Ende März 1945 beim Herannahen der Front sehr wichtige umfangreiche Bestände (die jüngeren Kabinettsakten u. a.) aus Fronsburg zurückgebracht wurden, da sie dort nur gegen Bomben, aber nicht gegen sonstige Kriegseinwirkung, Plünderung u. dgl. geschützt waren. Tatsächlich blieben sie intakt erhalten. B. Verluste und heutiger Zustand der einzelnen Bestände des Kabinetts­archivs. Zur größtmöglichen Übersichtlichkeit und um diesem Aufsatz gleichzeitig den Wert einer Ergänzung zum Gesamtinventar zu verleihen, seien hier die Bestände in der Reihenfolge angeführt, wie sie im Inventar verzeichnet sind. Was den jetzigen Zustand im allgemeinen betrifft, kann gesagt werden, daß nun im Wesentlichen (mit kleinen Ausnahmen) die Ein­ordnung und Neuordnung auseinandergefallener Bestände abgeschlossen ist. Größere einzureihende Aktenmengen werden jetzt wohl nicht mehr aufzufinden sein. Überdies ist kürzlich auch die Umlegung des gesamten Archivs der Kabinettskanzlei in neue Aktenkartons fertiggestellt worden. Nach dem Versuch der aufrecht stehenden Anordnung dieser ganz geschlossenen Schachteln wurde dann für den Hauptbestand die liegende Anordnung gewählt, wobei die Kartons an einer kleinen, an der Schmalseite an­gebrachten Stoffschlinge leicht herausgezogen werden können. Dieses System, das zuvor für die Hofarchive angewendet worden war, hat sich sowohl bezüglich der besseren Erhaltung der Akten, — die sich beim aufrechten Stehen am Fußende leicht umbiegen, — wie auch im Sinne einer großen Raumersparnis (es können drei Schachteln übereinander in ein Fach gelegt werden) sehr bewährt. Alte Kabinettsakten (AKA). Dies sind Aktenstücke, die zur Regierungszeit Maria Theresias bei der Monarchin selbst zurück­geblieben waren und später durch andere Zuwächse vermehrt wurden. Vor der Bergung umfaßte der Bestand 92 Einheiten (Nr. 1—83 mit Unternummern), heute nur mehr 39 Kartons und 11 Bücher, wobei aller­dings ein Karton im Umfang einen Faszikel in der Regel übertrifft. Es fehlt aber jedenfalls mehr als ein Drittel der Akten. Die alten Kabinettsakten waren mehrere Male umgeordnet worden. Eine erste Ordnung stammt aus den letzten Jahren Maria Theresias oder aus den ersten der Alleinherrschaft ihres Sohnes. Die Einteilung in 17 Gruppen, die mit Kapitalbuchstaben bezeichnet waren, ist später, vor 1885, durch eine neue ersetzt worden, nachdem einige Teile an das Kriegs­archiv und an Ungarn abgetreten worden waren. Nach der Übernahme des Bestandes in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv, 1902, wurde ent­2) Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs, hrsg. von L. Bittner, 2. Bd., Wien 1937, S. 113—272.

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