Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
WAGNER, Hans: Das Reisejournal des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730
Das Reisejournal des Grafen Seckendorff vom 15. Juli bis zum 26. August 1730 211 daß er ein ehrlicher mann, der seinem herrn wohl und treulich, ihme aber, dem könig, gefällig diente. Er würde nicht allein ferm vor ihro kayserliche mayestet verbleiben, sondern auch seine freundschafft gegen den general Seckendorff niemahlen ändern. Levenöhr wäre ein plauderer, der selbst offt nicht wüste, was er wollte. Wenn kein anderer als Levenöhr dem general Seckendorff schadete, so würde er nichts zu befürchten haben. Er, der könig, hätte dem Levenöhr offt solche discourse gegen die Sevillanische alliirte gehalten, daß er wohl sehen können, daß er in ewigkeit von der kayßerlichen parthey nicht abzutrennen wäre. Seine ehre und reputation sowohl als des Vaterlands wohlfarth hangete von dießer guten ver- ständniß ab. Auf seithen seiner wolle er solche fest unterhalten, mann müste nur in Wienn auch so mit ihm umgehen als nun seith etlichen jahren und nicht wieder auf den fuß ihn tractiren, als von anno 1720 bis 1725, wiewohl er das, was damähls vorgegangen, mehr denen hannoverschen aufhetzungen als dem kayßer selbst zuschriebe. Der general Seckendorff -wiederhohlte die dem könig öffters schon im nahmen ihro kayßerlichen mayestet gegebene Versicherung beständiger wahrer freundschafft, und woferne der könig, wie bey Seckendorff kein zweiffel, in dem aufrichtigen vertrauen gegen ihro kayßerliche mayestet verharren würden, so könnte er festen Staat machen, daß kayserlicher seiths alles würde erfüllet werden, was an ihm versprochen worden. Nur befürchtete er, Seckendorff, daß durch die aufführung des chursächßischen hoffs der könig möchte zu widrigen und solchen gedancken verleithet werden, die mit der kayßerlichen genauen freundschafft und bündnis nicht übereinkämen. Seckendorff informirte bey dießer gelegenheit den könig von dem, was ratione des Hoymbischen brieffs ferner vorgegangen, auch wie der könig von Pohlen die von des printzen Eugenii durchlaucht an jungen graff Wackerbarth 64 ) geschehene vertrauliche eröffnung, daß einige chursächßische ministers mit Franckreich heimlich correspondireten, an Hoymb und das gantze pohlnische cabinet entdecket, und was weithers vor schrifften hin und wieder gewechselt worden und nun an könig von Pohlen solle geant- worthet werden. Welches der könig von Preußen auf alle weiße approbirte, jedoch immer bath, mann mögte den könig von Pohlen soviel möglich auch bey dießer Sache menagiren, damit die französisch gesinnte nicht praetext bekämen, ihn gantz von der kayßerlichen freundschafft abzuziehen. Seckendorff machte dem könig begreif fen, wie moderat die projectirte antworth nach Dresden aufgesezet, und bathe umb erlaubnis, solche dem könig zu eigener Überlesung zuzuschicken. Ihro mayestet entschuldigten sich aber, daß sie nun auf der reiß unmöglich zeit, solche dinge zu über- leßen. Sie wüsten, daß des printzen Eugenii durchlaucht sich in nichts iibereileten und bäthen nur, mann mögte die negotiation mit Chursachßen 64) Josef Anton Gabaleon Graf von Wackerbart-Salmour, 1728 bis 1730 sächsischer bevollmächtigter Minister in Wien. 14*