Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

BLAAS, Richard: Das Kardinalprotektorat der deutschen und der österreichischen Nation im 18. und 19. Jahrhundert

176 Richard Blaas Förderung und Schutz gewähren110 *). Damit sind die wesentlichen Auf­gaben des ehemaligen Länderprotektorates zum Ausdruck gebracht und man kann daher mit Recht behaupten, daß das neue österreichische Kar­dinalprotektorat geradlinig an die überkommenen Formen des alten Reichs­protektorates anschließt. Kardinal Albani erfüllte nicht nur in zwei weiteren Konklavenlu) als Träger des Sekretums des österreichischen Hofes die in ihn gesetzten Erwartungen, er war auch in seinen ihm im Kirchenstaat übertragenen politischen Aufgaben immer ein aufrichtiger Verfechter der Politik des Staatskanzlers Metternich. Als der Kardinalprotektor der österreichischen Nation am 4. Dezember 1834 starb, war für die Neubesetzung des Protektorates in keiner Weise vorgesorgt. Botschafter Graf Lützow glaubte trotz gewisser Bedenken, die im wesentlichen die durch den Protektor von der höheren Geistlichkeit bei Ernennungen bezogenen Taxgebühren betrafen, auf die Wiederbesetzung dieser Stelle einraten zu sollen eben in Hinblick auf die Festigung und Stärkung des österreichischen Einflusses bei der Kurie, wofür ein Kar­dinalprotektor eben doch wichtige und nützliche Dienste leisten konnte. Graf Lützow hatte für die vakante Stelle vor allem eine Kandidatur des früheren kaiserlichen Auditors bei der Rota, des Kardinals Fürst Odescalchi im Auge, von dem er annahm, daß er sich bereits um diese Würde beworben habe112 *). Doch da Kardinal Fürst Karl Odescalchi in Wirklichkeit nicht um die Verleihung dieser Würde angesucht hatte und man sie ihm auch nicht förmlich an tragen wollte, da sich zu dieser Zeit weder die zwingende Not­wendigkeit einer Neubesetzung dieser Stelle auf drängte noch ein geeigneter Kandidat hiefür zur Hand war, wählte man den in dieser Zeitepoche so beliebten Weg, Entscheidungen in der Schwebe zu lassen und die Angelegen­110) Metternich an Albani ddo. Wien, 15. Dezember 1823: „En rétablissant cette charge, qui depuis plusieurs années n’avoit plus été remplie, Sa Majesté a voulu d’un coté donner un nouveau témoignage de ses égards envers le St. Siege, et de l’autre assurer ä ses sujets et aux églises de sa Monarchie, qui ont des affaires ä Rome, le plus grand degré possible de protection et d’appui“. St. K. Rom, Varia 1823, Fasz. 32. lu) Vgl. Schmidlin, a.a.O. I, S. 474 ff. und 511 ff.; ferner Ugo G. Oxilia, Tre Conclavi, in Rassegna storica del Risorgimento, Jg. 20 (1933), S. 563 f. 112) Bericht Lützow’s vom 27. Dezember 1834, Nr. 514 B sur le Décés du Cardinal Protecteur de la Nation autrichienne, opinion sur le successeur ä lui donner. „Si je ne consultais que l’intérét purement pécuniaire et matériel de la haute Prélature de notre Monarchie, je me verrais disposé de soumettre ä Votre Altesse la proposition de vouloir disposer Sa Majesté ä laisser tomber cette charge en désuétude, cependant ce serait la priver d’une occasion peu onoreuse pour l’épiscopat autrichien, de récompenser un Prélat qui aurait rendu des services ä Notre Auguste Cour et ce serait renoncer en merne terns ä un du petit nombre de liens honorifiques et lucratifs qui attachent le sacré College a la cause de l’Auguste Cour Imperiale ... on croit ici que Monsgr. le Cardinal Odescalchi pourrait l’avoir recherché directement et assurément aurait-il des titres ä mettre en avant qui militaraient en sa faveur“. St. K. Rom, Varia, Fasz. Auditoriat 1806—1860.

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