Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
BLAAS, Richard: Das Kardinalprotektorat der deutschen und der österreichischen Nation im 18. und 19. Jahrhundert
172 Richard Blaas des Kardinals einbegleitenden Bericht besonderen Nachdruck auf diesen Wunsch, dessen Erfüllung allein den restlosen Einsatz des Kardinals für die österreichischen Interessen garantieren und dessen dauernde Mitarbeit sichern würde93). Metternich, dem gerade an der Gewinnung Albanis für das „diesseitige Interesse“ sehr viel gelegen war, versuchte deshalb in einem neuerlichen Vortrag94) dem Kaiser das Zugeständnis der Protektoratswürde für Albani abzuringen. Auf die vom Kaiser geäußerten Bedenken anspielend, deren wahre Natur ihm immer noch nicht mitgeteilt worden war, führte er aus: „in der Voraussetzung jedoch, daß diese Bedenken nicht von der Art sind, daß sie durch einen zu erreichenden wichtigen Staatszweck nicht überwogen werden dürften, glaube ich um so mehr meinen obgedachten Antrag gegenwärtig ehrfurchtsvoll erneuern zu sollen, als einerseits die Wiederbesetzung des seit dem Absterben des Cardinals Hrzan erledigten österreichischen Protektorats unverkennbar in dem österreichischen Staatsinteresse liegt, andererseits, bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des heiligen Collegiums, kein Mitglied desselben sich so vorzüglich durch Ansehen, Verstand, Erfahrung und sonstige Verhältnisse zu dem fraglichen Amte eignet als Kardinal Albani; ohne zu gedenken, daß bei dem Umstande, wo er nun selbst mit der Bitte um besagtes Protektorat auf getreten ist, es zu befürchten wäre, daß die Nicht-Gewährung derselben seinen Eifer erkühlen, und die Wirkung davon bei dem künftigen Konklave fühlbar werden dürfte“ 94). Auf diesen sehr eindringlichen Antrag erfolgte zunächst keine Erledigung. Als Antwort ließ der Kaiser nach Monaten von seinem Kabinettsdirektor endlich die Gründe mitteilen, die ihn davon abhielten, Kardinal Albani das ersehnte Protektorat zu verall’ultima meta de’miei desideri: Vaca da molto tempo la Protettoria presso la S. Sede delle chiese degli Stati Imperiali e Reali di Sua Maestá, carica il di cui disimpegno puó essere utile anche agli oggetti ecclesiastici . . . prego dunque Vostra Altezza di far presente alia Maestá Sua ancor questa mia umilissima supplica ........Beilage zu Bericht Nr. 16 A vom 6. Januar 1823, St. K. Rom, B erichte, Fasz. 29. 93) Bericht Apponyi’s Nr. 16 A vom 6. Januar 1823: „Le Cardinal Albani réclame les bons offices de Votre Altesse prés Sa Majesté l’Empereur, pour obtenir de sa munificence le Protectorat des Eglises de l’Empire Autrichien. Cette charge est vacante depuis assez longtems . .. l’idée de faire révivre un emploi aussi intéressant, mérite de fixer l’attention de Votre Altesse, et parmi tous les Cardinaux actuels, le Cardinal Albani est certainement célúi qui a le plus de droit d’y aspirer ... II est d’une importance majeure pour nous de renforcer notre parti ä Rome et de nous assurer dans le Sacré College un membre entiérement dévoué ä nos intéréts. Le Cardinal Albani est non seulement ambitieux, mais il résiste difficilement ä l’appät du moindre avantage pecuniaire. L’occasion qui se présente actuellement pour le gagner sous se double rapport est trés favorable et nous ferons en lui l’acquisition d’un hőmmé d’esprit, versé dans les intrigues de sa Cour et qui ne négligera aucun moyen de les conduire a. notre avantage.“ 94) Vortrag vom 16. Februar 1823, St. K. Vorträge, Fasz. 343.