Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)
PILLICH, Walter: Die Flüchtung der Schatzkammer, des Archivs und der Hofbibliothek aus Wien im Jahre 1683
142 Walter Pillich den erwähnten kaiserlichen Kammertrabanten Lohrer und Schuester 41 Gulden 21 Kreuzer ausgelegt, die das Hofzahlamt refundierte 33 * * 36). Hiebei scheint der Kammertrabant Michael Lohrer besondere Initiative gezeigt zu haben, weil er 1688 unter 25 Bewerbern die kaiserliche Saaltürhüterstelle mit der Begründung erhielt, daß er durch „eigene müehe und sorg“ den kaiserlichen Schatz beim letzten Türkenkrieg bis Tirol gebracht habe37). In die letzte Phase der Flüchtung des kaiserlichen Schatzes von Passau nach Innsbruck scheinen, schon um die Sache geheim halten zu können, nur die daran beteiligten Hofleute eingeweiht worden zu sein, da die Tiroler Quellen darüber nichts berichten38). Nach der Befreiung Wiens dürfte der Schatz in aller Stille wieder in die kaiserliche Residenzstadt überbracht worden sein. Vielleicht stehen die 1684 von den beiden Kammertrabanten Andreas Mörck und Johann Georg Schuester verrechneten 195 Gulden 11 Kreuzer für Reisediäten und für das Auf- und Abladen der „Kayserlichen Cammer guetter“ damit in Zusammenhang 39). Neben dieser Flüchtung der sicherlich wertvollsten Bestände aus der kaiserlichen Schatzkammer scheinen aber noch weitere kleinere Transporte von Gegenständen aus der Schatzkammer durchgeführt worden zu sein. So wandte sich der Kaiser noch während seiner Flucht am 9. Juli aus Krems schriftlich an Graf Kaplirs, er solle „die schon eingepackte Sach aus der Schatz-Cammer“ ihm nachschicken 40). Tags darauf erteilte wieder der Hofkammerpräsident, Graf Orsini-Rosenberg, aus Aggstein dem Salz- und Schlüsselamtmann zu Krems, Simon von Wagenheim, den Befehl, sofort Pferde nach Wien zu schicken, um den Rest der kaiserlichen Sachen zu holen41). In Melk vermerkte am 10. Juli der gleichfalls mit dem Hofstaat geflohene Oberststallmeister Graf Harrach in seinem Tagebuch, daß noch die „wenigsten kayserlichen Sachen“ von Wien weggeführt worden seien und er hätte deshalb heute nacht, mit Zustimmung des Obersthofmeisters, auch seinen Hofmeister nach Wien zurück beordert42). Am 22. Juli, dem Tag der Ankunft des militärisch gesicherten Schatztransportes, sind neben der Garderobe der Kaiserin auch „andere Sachen“ in Passau angekommen, während wieder ausdrücklich vermerkt wird, daß das kaiserliche Silber, die Tapisserien und andere Pretiosen nicht mehr von 33) HKA., Hofzahlamtsbuch 1683, fol. 346 r. 37) HHuStA., Obersthofmeisteramt, Hofparteienprotokoll 1688 April 14., fol. 109 r—112 r. 38) Diesbezügliche Nachforschungen, für die ich Herrn Staatsarchivar Dr. Fritz Steinegger im Landesregierungsarchiv für Tirol, Innsbruck, zu besonderem Dank verpflichtet bin, verliefen ergebnislos. as) HKA., Hofzahlamtsbuch 1684, fol. 226 r. 40) Sturminger, n. 1512, S. 125. 41) HKA., Akten der Hoffinanz 1683 Juli 11. Krems (erliegt 1683 VII. 16), vgl. auch Sturminger, n. 2152, II. Teil, S. 26 f. 42) Sturminger, n. 2082, S. 215.