Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10. (1957)

BONACKER, Wilhelm: Leben und Werk des österreichischen Militärkartographen Cyriak Blödner (1672–1733)

Leben und Werk des österr. Militärkartographen Cyriak Blödner (1672—1733) 131 Bei einem Vergleich, der 1710 von Johann Ma j er entwickelten Karte von Württemberg und einer auf das gleiche Jahr anzusetzenden Karte von Gabriel Bodenehr d. Ä. mit unserem „Theatrum“ in beiden Fassungen, auf die Darstellung des Oberamts Kirchheim bezogen, gelangte jüngst W. P f e i f f e r zu folgenden Feststellungen: a) Die Landtafel von Majer, die keine Straßen enthalte, kenne im Gebirge keine „Flächen“ ; dieses sei „in einer symbolisierten Darstellung zu an­einandergereihten Hügeln aufgelöst.“ Trotz der „verhältnismäßig ge­nauen“ Lage der Flüsse und Siedlungen, wirke die Karte „verspielt­primitiv“ und sei nicht dazu angetan, dem Betrachter eine „klare Vorstellung“ von der Landschaft zu vermitteln. b) Auch die Karte von Bodenehr könne nicht befriedigen. Diese gebe manches „verzerrt“ wieder; die Orte seien lagemäßig „ungenau oder namensfalsch“ eingetragen, die Gewässer „unvollständig und im Lauf sehr oberflächlich und ungenau“ abgebildet. c) Wie anders aber seine Meinung über die Manuskriptkarten von B.: „Fast wie ein Sprung über Jahrhunderte“ muten diese Kartenwerke an, obwohl sie nur wenige Jahre nach den beiden angezogenen Land­tafeln entstanden seien. Die Karten werden den geographischen Er­scheinungen, was die „Genauigkeit“ und „künstlerische Darstellung“ betrifft, „wohl am meisten gerecht“. Sie bilden einen „unbestrittenen Höhepunkt“ kartographischen Schaffens ?lb). Es ist geradezu erstaunlich, daß der Hinweis Hauber’s auf dieses große Kartenwerk im Ablauf von mehr als zwei Jahrhunderten keinen dieser Karte würdigen Niederschlag im Schrifttum gefunden hat. Dieses Schwei­gen ist bedeutsam; zeigt es doch, daß innerhalb unseres Arbeitsbereichs — und dies nicht erst in neuerer Zeit — das Interesse nahezu uneinge­schränkt dem Jetzt gilt, obwohl unser aller Schaffen von den Vorkämpfern befruchtet und in Grund gelegt wurde. Aus einem verpflichtenden Berufs­ethos heraus verdient die Geschichte der Kartographie aber mehr als bisher gepflegt und gefördert zu werden. C. Seine Stellung im Kartenschaffen des deutschen Kulturkreises. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gingen einige Gelehrte dahin aus, sich mit den Vorzügen und Mängeln der in Umlauf befindlichen Landkarten zu beschäftigen. Unter ihnen ließ es der Konrektor am Gymnasium zu Merse­burg, Christian E. Hübner (1681—1713), nicht bei gelehrten Aussetzun­weisen; diese fände sich hingegen, wie G. anführt, auf einer auf B. fußenden Folgekarte, die er nicht benennt, auch wir nicht ausmachen konnten. Ob diese Rückführung auf B. bestehen kann, wird sich aus der zu erwartenden Nach­richt ergeben. nb) w. Pfeiffer: Das einstige Oberamt Kirchheim in den Kartenwerken um 1700. Neue Forschungsergebnisse über das Leben des Kirchheimer Karto­graphen Cyriakus Bloedner. (Teckbote Nr. 189, v. 17. 8. 1957.) 9*

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