Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

WAGNER, Hans: Die Briefsammlung Gauchez

LITERATURBERICHTE. REZENSIONEN. Allgemeine und politische Geschichte. Mecenseffy Grete, Habsburger im 17. Jahrhundert. Die Beziehungen der Höfe von Wien und Madrid während des Dreißigjährigen Krieges. Archiv für österr. Geschichte 121. Band, 1. Heft, Wien 1955, 91 Seiten. Die Verfasserin schildert eingangs knapp, aber erschöpfend Habsburgs Aufstieg zur weltumspannenden Macht, um dann die mit dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges anbrechenden Ereignisse im Spiegelbild der Wiener und Madrider Politik wiedergeben zu können. In lebendiger Darstellung wird die für die Gesamtinteressen des Hauses Habsburg so verhängnisvolle, durch eine Kette äußerer Umstände und menschlicher Unzulänglichkeit herbeigeführte Entwicklung aufgezeigt, die die ideelle und geistige Einheit der spanischen und österreichischen Linie zu keiner gemeinsam planenden und gemeinsam kämpfenden Allianz werden ließ. Einig im Ziele wichen Hofburg und Escorial über die dahin einzu­schlagenden Wege voneinander ab. Wie Mecenseffy richtig erkennt, war im Gegensatz zur umsichtigeren spanischen Politik die günstige Gelegen­heit, den religiösen Konflikt im Reiche zu beenden, durch Ferdinands II. halsstarriges Festhalten am Restitutionsedikt ungenützt verstrichen und Wallenstein, der einzig und allein einen Erfolg der kaiserlichen Waffen herbeiführen hätte können, den Forderungen der katholischen Kurfürsten zunächst geopfert worden. Die Darstellung bringt in der Folge ein klares Bild der europäischen Machtverschiebung, die durch das Ausbrechen Frankreichs aus der habs­burgischen Umklammerung dem entscheidenden Eingreifen Richelieus in die politischen Ereignisse und dem Erscheinen Schwedens auf dem deut­schen Kriegsschauplatz eingetreten war. Die Übereinstimmung habsbur- gisch-spanischer und habsburgisch-deutscher Interessen wird nunmehr unmöglich sein, zumal das immer spärlicher einströmende spanische Geld den von den Gebern erwünschten Zwecken entfremdet werden muß und der Madrider Wunsch nach deutschen Truppen nicht oder in gänzlich unzu­reichendem Maße erfüllt werden kann. Diese für die Habsburger schicksalsschweren Jahrzehnte führt uns Mecenseffys Feder in ihrer ganzen Tragik noch einmal vor Augen, wobei die Darstellung nicht nur die historischen Tatsachen, sondern auch die Charaktere der handelnden Persönlichkeiten eingehend durchleuchtet. So erleben wir den Kampf, den Philipps IV. allmächtiger Minister, der so oft und vielfach zu Unrecht geschmähte Conde Duque Olivares gegen seinen geschickteren, aber auch glücklicheren Rivalen Richelieu durchzustehen

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