Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
WAGNER, Hans: Die Briefsammlung Gauchez
584 Archivberichte einmal die Stars unserer Tage erreichen. Ein anschauliches Bild davon gibt ein Bericht Sarahs von einer Tournée in Nordamerika an ihren Freund, den radikalen republikanischen Journalisten Henri Bauer, der im Anhang abgedruckt ist33). Außer diesem im Handel erworbenen Brief enthält die Sammlung noch Schreiben der Bernhardt an Paul de Cassagnac und an die Redaktion der „L’Art“, im ganzen sieben Stück. Besonders zahlreich sind die Musiker vertreten. Bei den Italienern wäre neben Briefen von Bellini und Paér besonders ein Schreiben Rossinis an den Redakteur der „France musicale“, Léon Escudier, hervorzuheben, auf dem Rossini eine Zeile komponiert hat. Das Schreiben wird deshalb hier reproduziert34). Von französischen Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts enthält die Sammlung angefangen von einer Eingabe Francois- Joseph Gossecs an die königliche Musikakademie vom Jahre 1780, unter anderem einen Liebesbrief Grétrys und Schreiben von Adam, Auber und Offenbach bis herauf zu einem Brief Gounods an einen ungenannten Freund vom 29. XI. 1874. Méhul bedankt sich bei Rouget de Lisle in einem undatierten Schreiben für eine Widmung, Meyerbeer bei dem belgischen Musikschriftsteller Franqois-Joseph Fétis für die Aufführung seiner Musik zum „Struensee“ und schließt mit den Worten: „Pour moi Vous étes le premier juge musical de l’époque“ 35). Von Boildieu sind drei Briefe vorhanden, darunter einer vom 30. IV. 1830 über eine Stimmabgabe bei der Akademie und an seinen Freund Dabadie ein langes Loblied auf verschiedene Weinsorten. Bei den durchaus dem 19. Jahrhundert angehörenden Autographen von Schriftstellern fallen zweiundzwanzig Briefe von Béranger in die Zeit von 1822 bis 1854. Von ihnen sind sechs an Tugnot de Lanoye und je einer an Rouget de Lisle und an Lamennais gerichtet. Ein Schreiben Bérangers an Benjamin Constant betrifft dessen Kandidatur in die Akademie, mit der Mitteilung, daß Victor Cousin zu Constants Gunsten von der Bewerbung zurücktreten wolle36). Von Chateaubriand sind zwei Briefe vorhanden, darunter ein Gesuch vom 7. I. 1841 an den Polizeipräfekten, Lamennais im Gefängnis Sainte-Pélagie besuchen zu dürfen. Alexandre Dumas pere berichtet Ferdinand de Lesseps am 3. VII. 1859 aus Girgenti, daß er am Feldzug Garibaldis in Sizilien teilnehmen wolle. Alexandre Dumas fils beschreibt einem in Louisiana ansässigen ehemaligen Mitschüler am 11. VI. 1874 sein Arbeitszimmer und entwickelt persönliche Ansichten über Inspiration und Arbeitsweise des Künstlers. Der Brief ist 26 Seiten lang und macht durch zahlreiche Korrekturen und Streichungen eher den Eindruck eines Konzeptes. Ein angeschlossener Brief ermächtigt den Empfänger zur Veröffentlichung des Schreibens. In einer undatierten Zuschrift beglückwünscht Prosper Merimée den Grafen Pastoret zu dessen Roman „Raoul“. Von George Sand ist ein ebenfalls undatierter Brief an eine junge Schriftstellerin vorhanden, in dem sie sich sehr lobend und eingehend mit deren Werk auseinandersetzt. Leider fehlt jeder Hinweis auf die Empfän33) Siehe unten, S. 587. 34) Siehe die nebenstehende Abbildung. 36) Brief vom 2. IV. 1852. 36) Brief vom 1. IX. 1830.