Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

WAGNER, Hans: Die Briefsammlung Gauchez

582 Archivberichte Am leichtesten gelingt dies bei den an den Maler Frangois Bonvin24) gerichteten Briefen, die Gauchez wahrscheinlich geschenkt wurden. Gauchez war eng mit Bonvin befreundet, der im Alter erblindet war, und hat ihn wohl auch materiell unterstützt. Von Gauchez stammt ein Bericht in der „L’Art“ über den als Genremaler geschätzten Künstler25). Bonvin war in Kollegenkreisen sehr beliebt, die an ihn gerichteten Briefe sind — soweit sie seinen Namen nicht nennen — an Angaben über die Absender am Anfang der Briefe kenntlich, die später hinzugefügt wurden. Unter den Absendern wären etwa die Schauspieler Coquelin ainé und cadet, die Tragödin Agar, der Schriftsteller Alexander Dumas fils, die Künstler Eugene Lambert und Henri Monnier und der berühmte Photograph und Aviatiker Nadar zu nennen. Eine zweite Gruppe umfaßt Korrespondenzen an den radikalen bona- partistischen Politiker Paul Granier de Cassagnac, Redakteur des „Pays“, von dem auch zahlreiche Briefe an seine Freundin Madame Loose vorhanden sind. Madame Loose war ihrerseits wieder mit Gauchez befreun­det, ihm dürfte sie die Briefe übergeben haben 26). Durch diesen Kreis sind auch Briefe von Politikern in die Sammlung gekommen, von denen Clemen- ceau, Jules Simon, Achille Fould, Clovis Hugues, der Baron Haussmann und verschiedene Angehörige des Hauses Bonaparte zu nennen wären. Besonders interessant ist ein — leider nicht mehr ganz erhaltener — Brief des Generals Wimpffen an die Redaktion des „Pays“, in der er sich gegen Angriffe wegen seiner Rolle in der Schlacht bei Sedan zur Wehr setzt. Während er noch auf dem Schlachtfeld war, habe der Kaiser den Befehl zur Kapitulation gegeben. Wimpffen zitiert auch die schriftliche Ableh­nung seines Rücktrittsgesuches durch Napoleon III. wörtlich27). Ein dritter Bestand weist nach Belgien und setzt sich aus Schreiben an die Familien L e H o n und M e r c i e r zusammen. Die Frau von Gauchez’ Cousin Le Ghait war eine geborene Mercier. Charles Le Hon war belgischer Gesandter in Paris, er wurde 1836 von König Leopold I. in den Grafen­stand erhoben. Seine Tochter Louise war mit Stanislas-Auguste Fürst Poniatowski verheiratet28). Von dessen Vater, dem Diplomaten und Kom­ponisten Joseph Fürst Poniatowski sind zehn Briefe vorhanden, darunter eine Verwendung für Berlioz und mehrere Schreiben an den Herzog von Morny, den Halbbruder Napoleons III. An Moray und an die Comtesse Le Hon sind Briefe von James de Rothschild, dem Begründer der fran­zösischen Linie des Bankhauses, gerichtet. In diesen Teil der Sammlung gehören wahrscheinlich auch zwei Billets vom Historiker Mignet und dem Politiker Adolphe Thiers, sowie ein Schreiben Richard Wagners. Eher an einen Angehörigen des Hauses Mercier sind acht Briefe König Leopolds I. 24) Über ihn vgl. jetzt Prevost und d’Amat, Dictionnaire de Biographie frangaise VI, c. 1059. 25) „Rue Trompette n° 6 ä Saint-Germain-en-Laye“, „L’Art“, Jg. 1887/1 und II, 1889/1 und 1890/1. 26) Lt. gütiger Mitteilung von Herrn Rittmeister von Stein. 27) Brief von 1872 VIII 9. Es fehlt nur der Schluß mit der Unterschrift. Ob der Brief im bonapartistischen „Pays“ abgedruckt wurde, konnte nicht fest­gestellt werden. 28) Annuaire de la Noblesse de Belgique, 1893, S. 1056.

Next

/
Oldalképek
Tartalom