Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

WAGNER, Hans: Die Briefsammlung Gauchez

580 Archivberichte händler des damals noch nicht sehr bekannten Bildhauers. In der Mehrzahl betreffen die Briefe die Erwähnungen Rodins in der Zeitschrift, meist in der Rubrik „Salons“, d. h. Verkaufsausstellungen zeitgenössischer Künst­ler. So ist es klar, daß Gauchez für Rodin eine wichtige Persönlichkeit war. Rodin spricht in den Briefen von „l’autorité de votre goüt et de votre expérience“ und bezeichnet sich als einen derjenigen, „que vous avez choisi“ I9). So hat Gauchez wohl einiges zur Entdeckung und Förderung des Bildhauers beigetragen, ein in gewissem Gegensatz zur sonstigen Hal­tung der „L’Art“ bewiesener Weitblick. Einige Jahre später erklärte Rodin, daß er zusammen mit Dalou und L’Hermitte zu Gauchez’ favorisierten Künstlern gehöre, und äußert sich dabei sehr lobend über die Kunstzeit­schrift20). In den — meist kurzen und sehr flüchtig geschriebenen — Briefen befragt Rodin Gauchez dauernd über Angelegenheiten seiner Kunst, lädt ihn zur Besichtigung seiner in Arbeit befindlichen Werke ein und empfiehlt ihm gelegentlich andere Bildhauer. Als Beispiel wird im An­hang einer der ersten Briefe Rodins an Gauchez vom 13. V. 1883 abgedruckt, in dem Rodin von seinen Arbeiten, besonders den Skizzen zur Divina Com­media, spricht21). Besonderes Interesse erwecken seine Briefe über eine ärgerliche Zu­rückweisung seiner Arbeiten durch die Londoner Royal Academy, denen er auch Zeitungsausschnitte beigelegt hat. So konnte man im „Athenaeum“ vom 3. VII. 1886 lesen, daß „man nicht deshalb alle Akademiemitglieder hängen könne, weil die Jury es gewagt hat, den Beitrag eines drittklassigen fran­zösischen Bildhauers zurückzuweisen, der es das nächste Mal wahrschein­lich besser machen wird“ — mit wütenden Unterstreichungen Rodins. Anders lautet schon die Stimme der „St. James Gazette“ vom 19. V. 1886: „Eines der erstaunlichsten Dinge, die selbst die Vierzig getan haben. Rodin gewogen von Mr. Herbert und zu leicht befunden!“ Nicht nur die Akademie, auch die Grosvenor Gallery lehnte die Arbeit Rodins ab. Rodin legte auch einen Brief ihres Sekretärs J. W. Beck bei, in dem bedauert wird, daß grundsätzlich keine Arbeiten angenommen werden könnten, die von der Akademie zurückgewiesen wurden. Da mußte Gauchez bei seinen guten eng­lischen Beziehungen vermitteln und den mit Recht beleidigten Künstler vor übereilten Schritten zurückhalten. In einem undatierten Brief aus London konnte Rodin dann berichten, daß Gauchez’ Feldzug vollkommen geglückt sei. Er habe Leighton 22) besucht, der sehr liebenswürdig gewesen sei und gefragt habe, ob er, Rodin, gekommen sei, ihn umzubringen. i») Brief von 1884 VII 13 an Gauchez. so) Brief Rodins von 1889 VII 4: „La publicité trés grande et de haut goüt, qui fait que votre journal d’art est un monument et dans lequel tout ce qu’il y a d’artiste de véritable talent trouve aide et protection, votre Sympathie dönt je m’honore, tout me fait penser, que ce qui n’étais pas complétement opportun pour moi en ce moment n’est cependant pas perdu et ä l’occasion de la Triennale je vous retrouverai, puisque je suis avec Dalou et L’Hermitte un de ceux qui vous favorisez.“ 21) Siehe unten, S. 586. 22) Sir Frederick Leighton (1830—1896), englischer klassizistischer Maler, war seit 1878 Präsident der Royal Academy.

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