Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
CHRISTOPH, Paul: Dokumente zu den Restaurationsversuchen des Königs Karl IV. von Ungarn
564 Paul Christoph daß er nur aus reinem Patriotismus gehandelt hatte, als er ein Abenteuer verhinderte, das der gemeinsamen Sache geschadet hätte. Man sagt, daß diese Formel von Albrecht in Madrid gemäß dem Wunsche seines Cousins Alphons akzeptiert worden ist. Im stillen setzen Albrecht und seine Clique die Intrigen gegen Karl fort, und man sagt deshalb, daß der Exkönig in diesem Augenblick erwägt, ob es nicht vorteilhafter wäre, sich mit der Großen und sogar mit der Kleinen Entente zu arrangieren, statt nach Spanien zu gehen, wo er von den Anarchisten und Bolschewisten von Barcelona bedroht wäre und wo am Hofe von Madrid der Einfluß der Königinmutter Christine, der Schwester Friedrichs, des Vaters von Albrecht, überwiegt. Es scheint, daß der Fürst Windischgrätz in diesem Sinne in Paris und London tätig ist. Hinsichtlich des Windischgrätz muß man daran erinnern, daß Hegedüs von ihm zweieinhalb Millionen für im Kriege gestohlene Kartoffel verlangte, als dieser vorsorgliche Fürst Ernährungsminister war. Béla Kun hatte ihn für persönlich verantwortlich erklärt und einen Haftbefehl gegen den „fürstlichen Dieb“ erlassen. Hegedüs war weniger brutal, was ihn aber nicht gehindert hat, zu konstatieren, daß die Kartoffel trotzdem gestohlen worden sind und der Fürst materiell für die Machinationen seiner früheren Mitarbeiter und Funktionäre, ebenfalls christlichsoziale Ehrenmänner und Legitimisten, verantwortlich ist.