Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
SPRUNCK, Alphonse: Vizekanzler Johann Philipp von Cobenzl und der belgische Aufstand von 1790 nach seinen Berichten an Kaunitz
J. Ph. v. Cobenzl u. d. béig. Aufstand v. 1790 nach seinen Berichten a. Kaunitz 49 Johann Philipp als dessen Mitarbeiter die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse der österreichischen Niederlande kennen gelernt und besonders im Herzogtum Luxemburg die Ausführung nützlicher Neuerungen geleitet. In seinen französisch geschriebenen Erinnerungen erzählt er, wie er vom todkranken Monarchen rührenden Abschied nahm und auf seiner Reise zum Rhein alle kaiserlichen Eilboten aus den Niederlanden anhielt, ihre Depeschen las, selbst fieberkrank in Koblenz anlangte und dort von den Statthaltern und dem Kurfürsten von Köln Bericht über die Umwälzung in Belgien erhielt. Natürlich konnte er die Reise nur bis Luxemburg fortsetzen. Von Koblenz aus sandte der Vizekanzler am 15. Dezember seinen ersten Bericht an Kaunitz. Im Augenblick als er nach Luxemburg abreisen wollte, erhielt er auch von Brüssel einen Brief mit genauen Angaben über diese Ereignisse, sodaß er sich jetzt erklären konnte, weshalb er seit dem 9. keinerlei Nachricht mehr aus Brüssel erhalten hatte. In andern Briefen war gemeldet, die kaiserlichen Truppen hätten diese Stadt geräumt, der Staats- und Kriegssekretär und Vizepräsident des Regierungsrates, Crum- pipen, sei unter Mitnahme der Kassen und der Archive mit der Rechnungskammer und allen kaisertreuen Beamten auf dem Wege nach Luxemburg. Ferner wurde behauptet, wegen Mangel an Pferden hätten die Truppen auf dem Rückzug mehrere Kanonen, Wagen mit Munition usw. zurücklassen müssen, Trauttmansdorff und Crumpipen allein könnten in einem Wagen reisen. Cobenzl beschloß trotz der schlechten Straße nach Luxemburg, sich gleich dorthin zu begeben, um Berichte von Augenzeugen zu erfahren. Als der Eilbote schon mit diesem Brief auf dem Wege nach Wien war, sandte Cobenzl noch an demselben 15. Dezember von Polch bei Koblenz einen zweiten Bericht an Kaunitz. Regierungsrat Rapedius de Berg, der Cobenzl von Luxemburg entgegengekommen war, hatte ihm Briefe von Crumpipen an den Regierungsrat Baron von Feltz sowie des Festungskommandanten von Luxemburg, des Barons von Bender mitgebracht* i) * 3). Daraus ging hervor, daß die ganze Staatskasse bei der kopflosen Flucht der Regierungsbehörden aus Brüssel vergessen worden war, trotzdem Cobenzl gleich nach Empfang seiner Vollmachten Trauttmansdorff und den militärischen Oberbefehlshaber d’Alton auf gef ordert hatte, hierfür die nötigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Aus dem Bericht Benders ging hervor, daß die Kriegskasse der Festung Luxemburg nur über die ganz ungenügende Summe von 49.470 Reichstalern verfügte. Deshalb hatte sich Cobenzl an demselben 15. Dezember an die Bank der Gebrüder Bethmann in Frankfurt4) mit 3) Biographische Angaben über Rapedius de Berg, Crumpipen und Feltz finden sich in der Biographie Nationale de Belgique, über Bender in der Allgemeinen Deutschen Biographie. i) Angaben über die Brüder Johann Philipp, Johann Jakob und Simon Moritz Bethmann in der Allgemeinen Deutschen Biographie. Mitteilungen, Band 9 4