Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

KRAMER, Hans: Fürstbischof Dr. Cölestin Endrici von Trient während des ersten Weltkrieges. Nach neu gefundenen Akten

516 Hans Kramer daß die Hirtenbriefe nicht mehr ohne vorherige staatliche Zensur hinaus­gehen sollten. Sie sollten in Zukunft streng beaufsichtigt werden. Die Sache klappte aber noch inr September 1918 nicht. Selbst die Römische Kurie sollte in dieser Angelegenheit auf Endrici im günstigen Sinne ein­wirken. Am 30. September entschuldigte sich der Generalvikar Eccheli beim Innsbrucker Präsidium wegen einzelner Stellen in den Hirten­briefen 65). Die patriotisch gesinnten Kreise in Deutschtirol waren schon längst über Endrici erbittert. Einzelne deutsche Abgeordnete und sonstige Politiker forderten in öffentlichen Ansprachen seine Absetzung. Wie schon kurz erwähnt, kam die Feindschaft der Deutschtiroler politisch führenden Männer gegen Endrici in deren Ansprachen und Forderungen auf dem Deutschen Volkstag in Sterzing am 9. Mai 1918 zum Ausdruck. Bei jeder künftigen Besetzung des Bischofsstuhles von Trient müßten auch die Wünsche der Deutschtiroler berücksichtigt wer­den, was im Jahre 1904 offensichtlich nicht geschehen sei. Anderseits 65) Cucchetti, S. 514, Anm. 5. Zanolini, S. 203 f., 218 f. Diss. Eigentier. Inns­brucker Nachrichten (Zeitung) v. 5. Juni 1918 (Nr. 147). Man unterschied das Trienter Diözesanblatt für den deutschen Anteil und das Foglio diocesano di Trento per la parte italiana. Früher fiel schon der Hirtenbrief v. 21. Dez. 1913 auf, gegen Fremdenverkehr, gegen Gefahr des Protestantismus und gegen den Tiroler Volksbund. Vor dem Kriegseintritt Italiens waren die Hirtenbriefe und Verordnungen für die Geistlichkeit der Diözese im großen und ganzen öster­reichisch-patriotisch. Zum Teil sogar später noch. Vgl. den Nachruf nach dem verstorbenen Kaiser Franz Josef (Diözesanblatt 1916, Nr. 22). Oder die Ver­ordnung vom 1. August 1917, daß der Geburts- und Namenstag Kaiser Karls I. gleich zu feiern sei wie dieselben Festtage Kaiser Franz Josefs (Diözesanblatt 1917, Nr. 26). Man könnte aber sonst vom Sommer 1916 an bis in das Jahr 1918 fast alle Hirtenbriefe aufzählen, die Endrici aus Heiligenkreuz — ohne Zensur durch die staatlichen Stellen — erlassen hat. Alle hatten irgendwie eine Anspie­lung oder Spitze. Sie sind im oben erwähnten Foglio und, manchmal gekürzt und gemildert, im Diözesanblatt gedruckt. Die Akten über die Hirtenbriefe Endricis sind zahlreich. Ich erwähne: Oberstaatsanwalt Dr. Hirn-Innsbruck an Justizmin. Wien v. 11. Juni 1918. Derselbe an Präs.Ibk. v. 17. Juni 1918 (alle in Geh.Präs. A.Ibk.). Präs.Ibk. an K.Min. Wien v. 12. Juni u. 4. Juli 1918 (ebenda). Präs.Ibk. an Polizei Trient v. 10. Juni 1918 (ebenda). Tiroler Statthalter Graf Meran an K.Min. v. 12. u. 22. Juni 1918 (Staatsarch.). K.Min. R. v. Madeyski an Graf Meran v. 7. Sept. 1918 (Geh.Präs.A.Ibk.). Referat über Endrici-Sache im Hofzug vor dem Kaiser v. 12. Juni 1918 (Kriegsarch. Militärkanzlei 59—1/9/1918). Aktennotiz Präs.Min.Inn. v. 4. Nov. 1917 u. 15. Sept. 1918 (Allg.Verw.Arch.). K.Min. R. v. Madeyski an Min.Äuß. v. 7. Sept. 1918 (Staatsarch. Weil die Hir­tenbriefe Endricis noch immer unbefriedigend sind und die Zensur nicht klappt, soll sogar die Römische Kurie in dieser Sache zu Hilfe gerufen werden). HGrKdo. Conrad an AOK-Evidenzbüro v. 5. u. 22. Juni 1918 (Kriegsarch. Militärkanzlei 59—1/9 u. 59—1/9—2 ex 1918). Dasselbe (Conrad) an Kdo.SW. v. 17. Sept. 1917 (Endrici-Akten Kriegsarch.). AOK. an K.Min. v. 15. Juni 1918 (Kriegsarch. Militärkanzlei 59/1/9—3/1918). Generalvikar Eccheli-Trient an Präs.Ibk. v. 30. Sept. 1918 (Geh.Präs.A.Ibk.).

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