Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)
CORETH, Anna: Unbekannte Briefe P. Marco d'Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen (1690–1697)
Unbekannte Briefe P. Marco d’Avianos an P. Gabriel Pontifeser aus Klausen 27 Sommer in Wien, ganz gegen seine Wünsche und Absichten, wie aus den vorliegenden Briefen unzählige Male hervorgeht. Der Wunsch, nur mehr in der Stille Gott zu dienen einerseits, und die Bitten des Kaisers und Aufforderungen seiner Obern, die Kräfte für die Angelegenheiten der „Christenheit“ zur Verfügung zu stellen andererseits, dies ist die Spannung, in der P. Marco lebt. Die Briefe an P. Gabriel setzen zunächst mit einem kurzen sachlichen Schreiben vom 20. Dezember 1690 ein, während erst vom Sommer 1692 an die Korrespondenz mit einiger Regelmäßigkeit, trotz großer Pausen, geführt wird. Das erwähnte kurze Schreiben vom Dezember 1690 ist von Oderzo datiert, wo der Pater, wie üblich, seine Adventpredigten hielt und in dem Kapuzinerkloster untergebracht war. Es war, wie er sich entschuldigend erklärt, eine große Kälte eingebrochen und da er keinen Ofen besitze, könne er kaum schreiben. Beheizung gab es in den Zellen italienischer Kapuzinerklöster keine. In Zukunft, also vermutlich nach Weihnachten, werde er sich in Venedig niederlassen. P. Gabriel ist noch am kurpfälzischen Hof und fungiert eben als Vermittler von Briefen der Prinzen Ludwig Anton und Johann Wilhelm von der Pfalz an P. Marco. Dieser war, wie ich erwähnte, mit deren Vater, Kurfürsten Philipp Wilhelm, in innigstem persönlichem Kontakt und regem Briefverkehr gestanden, so daß wir heute noch 140 eigenhändige Briefe des Fürsten an den Pater besitzen 9). Philipp Wilhelm war am 2. September desselben Jahres 1690 in Wien gestorben und es lag nun offenbar P. Gabriel daran, die einzelnen Mitglieder der Familie auch weiterhin zu einer engen Verbindung mit dem außergewöhnlichen Mönch zu veranlassen. Ludwig Anton, der Hoch- und Deutschmeister, war von der Mutter der Betreuung des Pater Marco anempfohlen worden und tatsächlich hatte sich auch eine besondere Freundschaft zwischen beiden entwickelt. Der Kapuziner lobt dem Kaiser gegenüber dessen ernstes Strebein und dessen Innerlichkeit und hält ihn für den klügsten und fähigsten seiner allerdings nicht an den Vater heranreichenden Brüder10). Anläßlich des Todes dieses Kirchenfürsten, 1694, wird Marcus seinem Mitbruder sein Bedauern mit der Beifügung aussprechen, Ludwig Anton sei mit allen Eigenschaften versehen gewesen, die man an einem großen Fürsten wünsche und er sei sein richtiger Beschützer (patrone) gewesen 11). Auch mit dessen ältestem Bruder Johann Wilhelm, der nun gerade zweiunddreißigjährig, seinem bedeutenderen Vater in der Regierung gefolgt war, nachdem im Vorjahr sein Land durch Brandschatzung und Plün8) Heyret, Briefwechsel IV, S. 1 ff. io) Vgl. Heyret, Korrespondenz I, S. 223 ff. Die erwähnten Briefe Ludwig Antons an P. Marco sind nicht erhalten. u) Brief vom 29. Mai 1694.