Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

BAXA, Jakob: Adam Müller über die Zustände in Preußen 1815–1824

Adam Müller über die Zustände in Preußen 1815- 1824. Von Jakob Baxa (Wien). In der umfangreichen diplomatischen Korrespondenz, die Adam Müller seit 1815 als österreichischer Generalkonsul in Leipzig mit dem Fürsten Metternich in Wien und seit 1819 als österreichischer Gesandter mit dem Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen führte, findet sich eine Reihe von Berichten, die sich ausschließlich mit den preußischen Verhältnissen be­fassen. Die Berichte an Metternich stammen aus den Beständen des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv (Leipziger Konsularberichte, Faszikel 24/25), jene an Herzog Ferdinand aus dem Anhaitischen Haus- und Staatsarchiv Zerbst (Korrespondenz des Herzogs Ferdinand von Cöthen und des Ober­hofmeisters von Stemegg mit dem k. k. Generalkonsul zu Leipzig, Hofrat Adam Müller, 1813/27, Abteilung Cöthen D2aN 2). Adam Müller selbst war gebürtiger Berliner und hat mit Ausnahme eines dreijährigen Aufenthaltes in Dresden bis zu seinem 32. Lebensjahr in seiner Vaterstadt und in Preußen gelebt, bis ihn das Machtwort des Staatskanzlers Hardenberg, gegen dessen Reformwerk er opponierte, im Sommer 1811 nach Wien verwies. Adam Müller ist daher als genauer Kenner und zuverlässiger Beobachter der preußischen Verhältnisse anzu­sehen. Als er im Spätherbst 1815 seinen Dienst als österreichischer General­konsul in Leipzig antrat, tobte in Berlin ein heftiger Broschürenkampf. Geheimrat Theodor Anton Heinrich Schmalz, Professor an der Berliner Universität, hatte in seiner Schrift „Berichtigung einer Stelle in der Bredow-Venturinischen Chronik für das Jahr 1808“, Berlin 1815, den längst aufgelösten Tugendbund angegriffen, den er revolutionärer Tendenzen beschuldigte, und rief dadurch eine heftige Pressepolemik hervor, in der Niebuhr, Schleiermacher, Krug, Fr. Rühs, Ludwig Wieland und andere mit Gegenschriften antworteten. An der ganzen Fehde nahm auch der Rheinische Merkur von Görres, angefangen mit No. 326 vom 8. November 1815, lebhaften Anteil. Bereits mit seinem Bericht vom 10. November 1815 überreicht Adam Müller dem Fürsten Metternich Niebuhrs gegen Schmalz gerichtete Schrift über geheime Gesellschaften, er lobt den rechtlichen und wahrheitslieben­den Verfasser und dessen wegwerfende Behandlung der Magonnerie und aller geheimen Gesellschaften überhaupt. Freilich macht Adam Müller hinsichtlich der Freimaurerei eine bedeutende Einschränkung: „In An­

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