Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

BENNA, Anna Hedwig: Das Kaisertum Österreich und die römische Liturgie

Das Kaisertum Österreich und die römische Liturgie 131 kein neues Recht, sondern bestätigte eine bereits bestehende Übung07). Es handelte sich um Neuverleihung nur, insofern dieses Recht in Gebieten ein­geführt wurde, wo es bisher noch nicht bestanden hatte. Voraussetzung für das Wirksamwerden dieses Vorrechtes waren jedoch Krönung und Sal­bung08). Bestimmungen für die noch ungekrönten Könige, beziehungsweise Königinnen, enthielt das Breve nicht. Bis zum Regierungsantritt Franz Josefs I. kamen noch Krönungen vor. Die staatsrechtlichen Veränderungen, welche die Revolutionsjahre, in denen Feudalismus und Lehenswesen ein Ende fanden, mit sich brachten, ließen weder Krönungen in Böhmen und Ungarn noch in Lombardo-Venetien zu. Auch Erbhuldigungen alten Stils waren nicht mehr möglich. Der Artikel 12 der Märzverfassung 09) wurde nie in die Tat umgesetzt, denn die Monarchie ging nicht den Weg zum konstitutionellen Einheitsstaat, sondern den Weg der „Monarchie auf Kündigung“. Die Kommemoration erfolgte im 19. Jahrhundert meist pro imperatore statt pro rege nostro 70), nur in Ungarn hielt man an der alten Formel fest. Der ungarische Klerus wurde 1855 aufgefordert, im Kanon nicht nur pro rege, sondern auch pro imperatore nostro zu interzedieren, denn der König von Ungarn habe auch eine kaiserliche Würde71)- Es war nämlich vielfach vorgekommen, daß in vielen Kirchen an Stelle von pro rege nostro, wie das Formular nach dem Bi-evier Klemens XIII. lautete, entsprechend den faktischen Verhältnissen, daß der Kaisertitel als Gesamttitel galt, pro im­peratore nostro gesetzt wurde72), ohne daß vorher darüber in Rom ver­§ 5: Praeterea futuris temporibus, ut legitimi successores tui in praedictis Hungáriáé et Bohemiae regnis sive masculi sive feminae, dummodo coelesti benedictione, ut reginae ac dominae inaugurati vel inauguratae fuerint, non tam in isdem regnis superius memoratis, quam in aliis provinciis, urbibus ac locis eorum dominationi pleno jure subjectis, nullo tamen addito conjugis nomine, si quem, vel quam habuerint, quod majestati tuae et augustissimo conjugi socio regiminis specialissime volumus, per haec tantum verba: „pro rege nostro“ si fuerit mascidus „pro regina nostra“ si fuerit femina, in eodem canone missae nominari possint pari auctoritate perpetuo concedimus et indulgemus: decer­nentes praesentes literas semper firmas, validas, et efficaces existere, et fore, quibuscunque non obstantibus. (Katholische Blätter aus Tirol, Jg. 1846, S. 204 bis 206). °7) § 2: Sed cum idem venerabilis frater, postmodum renuntiavisset, con­suetudinem hanc nominandi reges ab antiquissimo tempore, cujus originis memo­ria non est, tam in Hungária quam in Bohemia obtinere: tum animadvertimus, rem non esse de novo privilegio largiendo, sed de veteri potius in ‘ reliquae majestatis tuae imperio subjectas regiones extendendo. (Ebenda, S. 205). °8) Vgl. oben, Anm. 66, § 5. °9) Vgl. oben, S. 127, Anm. 41. 7#) Vgl. Katholische Blätter aus Tirol, Jg. 1858, S. 204. 343 71) Note des Kultusministers Thun an den Minister des Äußern —1860 März 7 (Admin. Reg. F 1, Fz. 135). CUM 72) ygl. Katholische Blätter aus Tirol, Jg. 16 (1858), S. 204. 9*

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