Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 9. (1956)

BENNA, Anna Hedwig: Das Kaisertum Österreich und die römische Liturgie

Das Kaisertum Österreich und die römische Liturgie 129 noch 1751 den Kaiser49). Die Krönung des Frankenkönigs Karl zum Kaiser zu Weihnachten 800 rief keine Veränderungen in der Praxis der Kirche hervor. Karl nahm liturgisch nicht die Stelle des Kaisers ein. Erst im 9. und 10. Jahrhundert findet sich in den Sakramentaren die Nennung des Kaisers im Kanon der Messe50). Die gallische Liturgie betete für den Fran­kenkönig und auch in der römischen gab es eigene missae pro regibus 5i). Bis weit hinein ins Hochmittelalter wurde der Name des Kaisers im Kanon nach dem des Papstes und des Diözesanbischofs genannt. Ein eigenes Für­bittgebet erflehte am Karfreitag zum Schutz der Kirche den Sieg des Kaisers über die Heiden52 *). Die im Frankenreich ausgebildete Karsamstag- liturgie58) gedachte des Komischen Kaisers im praeconium paschale54 55). Außer den Fürbitten in der Messe, in eigenen Formularen der Kaiser­messen56) kommemorierte die Kirche den Kaiser in den preces feriales des Stundengebetes56) und in der Allerheiligenlitanei57). Die Auseinander­setzungen zwischen Kaisern und Päpsten im Hochmittelalter, bei denen es abgesehen von lokalen, politischen Konflikten um grundsätzliche Fragen des Verhältnisses beider Gewalten ging, führten dazu, daß die Nennung des Kaisers im Kanon und in den Fürbitten unterblieb; gelegentlich wurden Streichungen und Verbesserungen in den Missalen vorgenommen58). Der deutsche Domherr Jordanes von Osnabrück, der im Gefolge des Kardinals 49) J u n g m a n n 1, S. 191, Anm. 36. 50) Die Fürbitten folgten bis zum 5. Jahrhundert unmittelbar auf den Lese­gottesdienst der Messe, erst seither wanderten sie in das Hochgebet, in den Kanon zwischen Sanctus und Wandlung. Nur in der missa praesanctificatorum des Karfreitags blieben sie unter den anderen Fürbitten stehen. Vgl. Jung­mann 1, S. 185, 186, 483. Baumstark, a. a. 0., S. 19. ■r>i) B i e hl, a. a. O., S. 72, 73, 76; H. Hirsch, Der mittelalterliche Kaiser­gedanke in den liturgischen Gebeten, MÖIG 44 (1930), S. 13. 52) Oremus et pro christianissimo imperatore nostro N., ut Deus et Dominus noster subditas illi faciat omnes barbaras nationes ad nostram perpetuam pacem. Oremus. Flectamus genua. Levate. Omnipotens, sempiterne Deus, in cuius manu sunt omnium potestates et omnium jura regnorum: respice ad Romanum im­perium, ut gentes, quae in sua feritate confidunt, dexterae tuae potentia com­primantur. Vgl. Hirsch, MÖIG 44 ,S. 3. 53) Biehl, a. a. O., S. 89. 54) Precamur ergo te, Domine, ut nos famulos tuos, omnemque clerum et devo­tissimum populum una cum beatissimo papa nostro N., et antistite nostro, N., quiete temporum concessa in his paschalibus gaudiis, assidua protectione regere, gubernare, et conservare digneris. Respice etiam ad devotissimum imperatorem nostrum N., cujus tu Deus desiderii vota praenoscens, ineffabili pietatis per­petuae pacis accommoda et coelestem victoriam cum populo suo. 55) Biehl, a. a. O., S. 76. 56) Biehl, a. a. O., S. 76. 57) Biehl, a. a. O., S. 1, 114. 58) Vgl. A. Franz, Die Messe im deutschen Mittelalter (1902), S. 481; M. Andri eu, Le missal de la chapelle papale ä la fin du 13e siede (Mis­cellanea Fr. Ehrle 2, 1948), S. 348 f.; Jungmann 1, S. 192. Mitteilungen., Band 9 9

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