Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 8. (1955)

AUER, Erwin M.: Erbritterwürde und Inkompatibilität im Deutschen Ritterorden

Erbritterwürde und Inkompatibilität im Deutschen Ritterorden 39 dem grosen Ordens Creutz ... beehren. Graf Bassenheim mußte Zusagen erhalten haben, denn er richtete am gleichen Tage, da ihm das Recreditiv übergeben worden war, nämlich am 10. Jänner 1762 wohl mit Hilfe der geheimen Kanzlei an alle zehn Landkomthure des Ordens, von deren groß- kapitularischer Zustimmung die Genehmigung des Hoch- und Deutsch­meisters abhing, ein Schreiben mit dem Ersuchen, seiner Bitte zu will­fahren, und schloß ein ausführliches Promemoria an20). Im besonderen weisen die beiden Schriftstücke darauf hin, daß eine solche seiner Familie gewährte Belohnung von keiner anderen Familie mehr beansprucht werden könnte, also einmalig wäre und ohne Beispielsfolgerung bleiben würde, ferner daß kurtzhin von dem Hochlöblichen Joanniter orden einem eben wohl geheuratheten Frantzösischen Cavalier die praeeminentz zugestanden worden ist, ohne denselben mit denen gelübden zu beleben, das mit denen Rittern gleich habende Ordens-Jnsigne tragen zu därffen. Nach seiner Rückkehr an den Mainzer Hof veranlaßte Graf Bassenheim seinen Kur­fürsten, das in Brüssel übergebene Gesuch schriftlich zu unterstützen21) und erreichte dadurch, daß der Hoch- und Deutschmeister nun seinerseits die großkapitularischen Vota zirkulariter einholen und hiebei das Ansuchen offensichtlich fördernd bemerken ließ22 *), daß bereits einem von Rochau das Ordens-Creutz, obwohlen nur in einer Medaille zu tragen zugestanden worden seye 2S). Es dauerte mehr als zwei Monate, bis alle Gutachten der Landkomthure, die übrigens auch zum größten Teil Graf Bassenheim geantwortet hatten24), in Brüssel einliefen. Sechs von zehn Landkomthuren waren mit derVerleihung des großen Halskreuzes an Johann Maria Rudolf Graf Waldbott von Bas­senheim und an die künftigen Stammhalter dieses Geschlechts bedingungs­wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit. Wien 1955. S. 30, 615. — Catalogus ordinis teutonici 1953. Vienne [1954]. S. 96. -—- Die Möglichkeit der Abstammung der Familie Waldbott von Bassenheim aus dem Geschlecht der Walpot, dem auch der mehr­fach genannte Heinrich Walpot entstammt, läßt sich... nicht bestreiten. Vgl. Oelsnitz, a. a. O., S. 43 f. 2°) Orig., ZADO. — RA., W 8, Nr. 1982, fol. 3 ff. und Varia 2849, fol. 2 ff. 21) Kurfürst Friedrich Karl an HuDM., Mainz 1762 Februar 16, Orig. (ZADO. — RA., W 8, Nr. 1983, fol. 7). — HuDM. an den Mainzer Kurfürsten, Brüssel 1762 Februar 26, Konz, (ebenda, fol. 9); ferner GKP., Brüssel 1762 Februar 26, Nr. 14. 22) Zirkular des HuDM., Brüssel 1762 Februar 26 (abgegangen am 2. März), Orig, (ebenda, RA., W 8, Nr. 1982, fol. 9 f. und Varia 2849, fol. 8f.). 2S) Die erwähnte Medaille für Rochau war keine Auszeichnung, sondern ein Stiftungsabzeichen; vgl. Erwin M. Auer, Die „Medaille“ der Bocholtz-Stiftung im Deutschen Ritter-Orden, in: Mitt. d. Österr. Staatsarchivs. Wien 1953. Bd. 6, S. 165 ff. 24) Zusammenfassende Abschrift (ZADO. — RA., W 8, Nr. 1983, fol. 55 ff.).

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