Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 8. (1955)

KRAUS, Wilhelm: 10 Jahre Österreichisches Staatsarchiv 1945–1955

Österreich 241 Gegenüber der Organisation des Wiener Reichsarchivs vor 1945 fallen also bei der Neuordnung 1945 folgende Änderungen auf: 1. Der Titel der Abteilung „Staatsarchiv des Innern und der Justiz“ wird in „Allgemeines Verwaltungsarchiv“ geändert; der Grund dazu war, daß die darin verwahrten Bestände den durch seinen früheren Titel ge­zogenen Rahmen schon lang vor 1938 gesprengt hatten und daß es mit der neuen Bezeichnung eine erweiterte Bestimmung erhalten sollte. 2. Das „Unterrichtsarchiv“ verschwindet als eigene Abteilung und geht als Archivkörper im Allgemeinen Verwaltungsarchiv auf. 3. Ebenso verschwindet das „Finanzarchiu“ als eigene Abteilung und wird zum Hofkammerarchiv gezogen, wobei aber in diesem Fall der alte Name im neuen erhalten bleibt als „Finanz- und Hofkammerarchiv“. 4. Neu einbezogen wurden 1945 das Kriegsarchiv und das Eisenbahn­archiv bzw. Archiv für Verkehrswesen. Das Kriegsarchiv war in der Zeit nach den Märztagen 1938 einschnei­denden organisatorischen Veränderungen unterworfen worden: die Biblio­thek als „Heeresbücherei Wien“ abgetrennt; das Marine-Archiv verselb­ständigt und dem Oberkommando der Kriegsmarine unterstellt; aus den Beständen des Armeeoberkommandos von 1914/18, des k. u. k. Kriegs­ministeriums und des Österreichischen Bundesheeres die das Luftfahr­wesen betreffenden Bestände herausgelöst und zu einer „Kriegswissen­schaftlichen Abteilung der Luftwaffe“ unter der Leitung des Reichsluft­fahrtministeriums vereinigt. Der verbleibende Teil des Kriegsarchivs wurde in „Heeresarchiv Wien“ umbenannt. Nach Kriegsende war die Wiedervereinigung dieser 4 Institute eine der ersten Maßnahmen der Reorganisation des KA. Das Eisenbahnarchiv (seit 1918 „Archiv für Verkehrswesen“, seit 1947 Verkehrsarchiv) wurde zwar schon mit dem eingangs genannten Behörden­überleitungsgesetz als Unterabteilung des Allgemeinen Verwaltungsarchivs zur Eingliederung in das ÖStA. vorgesehen4), doch blieb es zunächst der Generaldirektion der Österr. Staats-(Bundes-)bahnen und seit Ende 1946 der Sektion I (Zentralsektion) des BMin. für Verkehr als Abteilung 4 (Ver­kehrswissenschaftlicher Fachdienst) unterstellt. Nach dieser Schaffung der gesetzlichen Grundlagen konnte nunmehr weitergebaut werden. Der Geschäftskreis des ÖStA. wurde durch ein 1946 erlassenes „Statut über die Verwaltung und Benützung des Österreichischen Staatsarchivs“ 4) Bereits 1944 war von den damals zuständigen Stellen die Vereinbarung einer Eingliederung des Verkehrsarchivs in das Wiener Reichsarchiv als Ab­teilung 6 nach Kriegsende getroffen worden, um einer beabsichtigten Aufteilung des geschlossenen Archivbestandes auf einzelne Reichsbahndirektionen und -Ar­chive vorzubeugen. Mitteilungen, Band 8 16

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