Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 8. (1955)

BLAAS, Richard: Die Gedächtniskapelle in Queretaro und die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und Mexiko

210 Richard Blaas Dr. Camacho. Aus der näheren und weiteren Umgebung hatte sich eine große Menge Schaulustiger zur Feier eingefunden. Die Gedächtniskapelle steht auf dem stadtseitigen Hang des Glocken­hügels genau an der Richtstätte, an der am 19. Juni 1867 das Urteil des Kriegsgerichtes vollstreckt worden war. Es ist ein einfacher Bau aus röt­lichgrauem Sandstein, in neuromanischem Stil aufgeführt (s. Abb. 3). Die Kapelle ist in drei Räume gegliedert: den Vorraum, die eigentliche Kapelle und die Sakristei. Der Vorraum ist von der Kapelle durch ein Eisen­gitter abgetrennt, die Kapelle wird durch zwei Seitenfenster erhellt und ist mit 12 Kniebänken ausgestattet. Zum Presbyterium führen drei Stufen empor; es wird vorne durch drei viereckige behauene Marmorblöcke be­grenzt, die mit Marmorplatten belegt sind und in Goldbuchstaben die Na­men Maximilian, Miramon und Mejia zeigen; sie stehen genau an der Stelle, an der die drei Verurteilten vor das Exekutionspeloton gestellt worden waren. Das Altarbild ist, wie schon erwähnt, von Kaiser Franz Joseph gestiftet worden. Die Kapelle faßt ca. 60 Personen. An der Einweihungs­feierlichkeit nahmen unter anderen auch die Tochter und eine Enkelin des mit Maximilian erschossenen Generals Miramon teil. Nach der kirchlichen Feier übergab die Fürstin Khevenhüller dem Bischof von Queretaro ein ebenfalls vom Kaiser von Österreich gewidmetes silberbeschlagenes Kreuz, das aus dem Holz der Fregatte Novara angefertigt war, die bekanntlich Maximilian seinerzeit nach Mexiko gebracht und seinen Leichnam in die Heimat zurückgeführt hatte71), Fürst Khevenhüller und Prinz Fürstenberg verließen Ende April wieder Mexiko, nachdem ihre Mission erfolgreich abgeschlossen war. Ihre Abreise vollzog sich sang- und klanglos, kein Regierungsvertreter war am Bahnhof zur Verabschiedung erschienen und an die Stelle des Extrazuges war der gewöhnliche Passagierzug getreten. Die Abreise der österreichischen Ver­71) Prinz Fürstenberg legte mit seinem Bericht vom 23. April 1901 eine Reihe von Zeitungsausschnitten vor mit Artikeln über die Einweihungsfeier. Die mexikanischen Presseveröffentlichungen waren durchwegs wohlwollend. Am aus­führlichsten und sachlichsten berichtete die „Deutsche Zeitung von Mexiko“ vom 12. April 1901. Auffallend ist, daß die amtliche „Wiener Zeitung“ keine Notiz von den Einweihungsfeierlichkeiten nahm. In arge Verlegenheit setzten die mexikanische Regierung einige Pariser Blät­ter, die die Information ihres Wiener Korrespondenten verbreiteten, daß Porfirio Diaz den Bau einer Sühnekapelle für Kaiser Maximilian angeordnet und die Initiative zur Wiederanknüpfung von Beziehungen mit Österreich-Ungarn er­griffen habe. Diese Meldungen wurden gleich nach ihrem Erscheinen von der mexikanischen Gesandtschaft in Paris im „Nouveau Monde“ dementiert und außerdem durch eine Regierungserklärung im „Diario Oficial“ vom 15. Mai 1901 energisch zurückgewiesen. Vor allem polemisiert die Regierungserklärung gegen den Begriff „Sühnekapelle“ (vgl. Pol. Arch. XXXIV/9, Liasse Mexiko I, Wieder­aufnahme der Beziehungen zu Mexiko, Abschrift eines Berichtes des deutschen Gesandten in Mexiko vom 19. Mai 1901).

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