Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

BLAAS, Richard: Die k. k. Agentie für geistliche Angelegenheiten

Die k. k. Agentie für geistliche Angelegenheiten 55 sprach25), scheint er nicht allzu großen Nutzen gezogen zu haben. Unter Maria Theresia verblieb er in seiner Stellung und unterbreitete auch ihr einen etwas modifizierten Plan zur Hebung der Geschäfte der k. k. Agen­tie26), in dem er vor allem darauf anträgt, daß die Königin, ähnlich wie die anderen Höfe, endlich dekretiere, daß alle regie nomine dei vescovati e di abbazie passino privativamente per le soli mani dei loro rispettivi agenti o spedizionieri regi ehe tengono nella corte di Roma. Auf diese Weise würde es möglich sein, einen Fond für die Agentie zu schaffen, wodurch dieses Amt nicht mehr dem Ärar zur Last fiele und es würden nicht Leute, die dem Hause Österreich feindlich gesinnt sind — private Agenten — exorbi­tante Summen von Bischöfen, die der Königin ihre Ernennung verdanken, einstecken — onde ragion vorebbe, che ancora per questi giusti motivi e per ragion di stato, il medesimo Agente Imperiale fosse costituito Agente dei vescovi di regia nomina ad esclusione d’ogn’altro estraneo e che ad imitazione della Francia e di molte altre Corone, venendo a mancare il pre­sente spedizioniere regio, fossero uniti detti due imphiegi. Mentre con un tál rególlamento, senza il minimo aggravvio e spesa, averebbe pagati I’Agente, VArchivista e lo spedizioniere, quail’ ora perö queste tre cariche restassero sempre unite in un istesso so gettó 27). Bemerkenswert ist bei diesem Gutachten die Berufung auf die Staatsräson. Die Vereinigung der Spedizioniersstelle mit seiner eigenen ist ihm nicht bewilligt worden. Maria Theresia ernannte 1743 den Sohn des Dr. Matteo Ferravilla, Michele 28), der bereits seit 1729 für seinen kränklichen Vater die Geschäfte geführt hatte, zum Spedizioniere regio. Die Erfüllung dieses Planes gelang erst dem Nach­folger Rueles, seinem Neffen Francesco Brunati, den er bereits in die Ge­schäfte eingeführt hatte und der die ragione di stato zu seinem Leitmotiv gemacht und damit bei seinem obersten Vorgesetzten, dem Fürsten Kaunitz, die entsprechende Förderung fand. Ruele starb am 13. Juni 175 1 29). Francesco Brunati, Sohn einer Schwester Rueles, ebenfalls in Rovereto geboren, hatte seine juristischen Studien in Innsbruck, Bologna, Padua und Rom gemacht, beherrschte die deutsche, französische und italienische Sprache. Seit 1746 machte er bereits bei seinem Oheim Dienst bei der k. k. Botschaft und gehörte zum Gefolge der Edelleute des Kardinal 25) Botsch.-A., Rom V., Agentiearehiv, Fasz. 18. 28) Promemoria s. d. 1. c. Modifiziert war dieser Plan insofern, als Ruele nicht mehr vom Reich spricht, sondern nur von dem königl. Ernennungsrecht in den Erblanden. Die Eingabe stammt offenbar aus der Zeit der Regierung Karls VII. ' *0 1. c. 28) St. K. Rom, Fasz. 179, kais. Reskript ad Cardinalem Caudice et ad epis­copum Gurcensem. Viennae IS. febr. 17A3. Pro Michele Ferravilla cui munus expeditoris regii in aula Pontificia hisce confertur. 29) Botsch.-A., Rom V., Korrespondenz Albani, 1751. Kardinal Albani teilt in einem Kondolenzschreiben, ddo. Rom 16. VI. 1751, Brunati, der zu dieser Zeit in Wien weilte, den Krankheitsverlauf und Tod des Oheims mit.

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