Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

REGELE, Oskar: Die Schuld des Grafen Reinhard Wilhelm von Neipperg am Belgrader Frieden 1739 und an der Niederlage bei Mollwitz 1741

398 Oskar Regele lerie bereits eingetroffen war, Wenzel Wallis, Harraeh, Bottá und Browne nach Schlesien, Franz Lothringen und Liechtenstein nach Mähren in Marsch gesetzt worden 79). Derart trug der Bel­grader Frieden verspätete und entscheidende Früchte, die zu würdigen in der vorliegenden Literatur ver­absäumt worden ist. Eine weitere Merkwürdigkeit lag darin, daß N eipperg am 9. 10. 1741 die Verhandlungen leitete, die zur Konvention von Klein-Schnellendorf führten und daß er sich ganz energisch dagegen gewehrt hatte, abermals mit einem siegreichen Gegner Unterhandlungen abwickeln zu müssen. Wie Ludwig XIV. dem oft besiegten Herzog von V i 11 e r o y immer die Treue hielt, so blieb auch Maria Theresia dem Grafen N e i p p e r g immer gewogen. Man schätzte an ihm die Treue, das Pflichtgefühl und den Gehorsam, das Unberührtsein von krankhaftem Ehrgeiz und vom Hang zu Intriguen, darüber übersah man aber vielleicht, daß auch die edelsten menschlichen Eigenschaften noch nicht hinreichen müssen, um in höchsten Funktionen außergewöhnlichem Unglück die Stirne bieten zu können. Feld­marschall Graf N e i p p e r g erkannte selbst, daß ihn das Schicksal gerne vor Aufgaben stellte, deren oft unlösbare Schwierigkeiten von anderen auf­getürmt wurden und deshalb bat er nach Mollwitz um seine Abberufung vom Oberbefehl, die von Maria Theresia gerade ihm genehmigt wurde, „welcher schon wiederholt um die Enthebung vom Oberkommando gebeten und mit anerkennenswerter Selbstverleugnung erklärt hatte, er wolle die Königin und ihr Reich nicht mithineinziehen in das ihn unauf­hörlich verfolgende Mißgeschick.“ ☆ Der Verfasser hat in seiner Studie „Staatspolitische Geschichtsschrei­bung — erläutert an Königgrätz 1866“ 80) den Versuch unternommen, zu zeigen, daß geschichtliche Ereignisse nur dann eine endgültige Gestalt gewinnen können, wenn sie einer wirklich universellen und vergleichs­weisen Betrachtung unterzogen werden. Die vorliegende Neubearbeitung der Darstellung des Friedensschlusses von 1739 und der Schlacht bei Moll­witz sei ein weiterer Beitrag zu diesem Streben. 79) Browne, a. a. O., S. 553 f. 80) „Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs“, Wien 1950, 3. Bd„ S. 283—305.

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