Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)
BENEDIKT, Heinrich: † Egon Caesar Conte Corti alle Catene
NACHRUFE Egon Caesar Conte Corti alle Catene Am 17. September 1953 ist in Klagenfurt Dr. Egon Caesar Conte Corti alle Catene im Alter von 67 Jahren einer plötzlichen Krankheit nach wenigen Tagen erlegen. Er hatte in den Sommermonaten die Bearbeitung des Briefwechsels der Kaiserin Friedrich mit ihrer Mutter, der Königin Victoria, beendet und wollte, nach Wien zurückgekehrt den dritten, letzten Band der Franz Joseph-Biographie, zu dem die Grundlagen bereits vorbereitet waren, in Angriff nehmen und nachher sich einmal Ruhe gönnen, um sein eigenes Leben an sich vorüberziehen zu lassen und all das Denkwürdige, das ihm begegnete, in Erinnerungen festzuhalten, die ein wertvoller Beitrag zur Geschichte der letzten fünfzig Jahre geworden wären. Cortis Leben ist in seinem Werk aufgegangen. Seine Stellung in der Geschichtsschreibung wurde durch Geburt, Tradition und Umwelt bestimmt. Er gehörte zum letzten Bestand eines im Zuge der Nivellierung zum Abbruch bestimmten Oberbaus gesellschaftlicher Auslese. Die Geburt bestimmte ihn zur militärischen Laufbahn. Sein Großvater war Feldmarschall-Leutnant und Feldmarschall-Leutnant war sein Vater, der Vertraute Conrads. Im Elternhaus erwachte in dem Knaben das Interesse für Kriegsgeschichte und äußere Politik. Das Theresianum gab ihm die humanistische Bildung des alten österreichischen Gymnasiums, das Verständnis für den übernationalen Geist der Monarchie und die Erziehung zum Weltmann. Er entstammte lombargischem Uradel. Cardinal Guido Corti, Erzbischof von Pavia krönte lo02 Arduin zum König, der Dichter Lancino Corti zählte Leonardo da Vinci zu seinen Freunden und des Dichters Vetter Francesco war Rektor der Universität Pavia; sein Haus stand in einer Seitengasse, die, um den Straßenlärm von dem Gelehrten abzuhalten, mit den Ketten abgesperrt war, die im Prädikat des Familiennamens erhalten blieben. Seinem Leibarzt und Botschafter an der Kurie Matteo Corti hat Herzog Cosimo I. das schöne Denkmal im Campo Santo von Pisa errichtet. Das Cortische Organ in unserem Ohr ist nach Marchese Alfonso benannt, und dessen Bruder Conte Luigi — ein Vetter des Vaters unseres Corti — hat als Außenminister Italien beim Berliner Kongreß vertreten. So zog bereits eine Familienbeziehung den Historiker zum Arbeitsgebiet der großen Politik, auf dem er heimisch werden sollte. Als die Individualitäten der italienischen Staaten der Einheit des Königreichs zum Opfer fielen blieb der Großvater im kaiserlichen Dienst, in dem auch der Sohn zur hohen Generalität vorrückte und der Enkel als Dragoneroffizier und Generalstabshauptmann eine Laufbahn beschrift, die eine glänzende zu werden versprach. Konnte er nach dem Zusammenbruch