Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)
NECK, Rudolf: Zeitgeschichtliche Literatur über Österreich
526 Literaturberichte Die letzte Gruppe der Beiträge ist geschichtsphilosophischen und historiographischen Fragen gewidmet. Arnold Bergsträsser, Religiöse Motive des universalgeschichtlichen Denkens (S. 315—336) ging der Verwurzelung des universalgeschichtlichen Denkens in der Geschichtstheologie des Christentums in Antike und Mittelalter und deren Ausläufern bei Herder, Goethe, Hegel und Spengler nach. Friedrich Baethgen, Zur geistigen Entwicklungsgeschichte Rankes in seiner Frühzeit (S. 337—353) untersuchte die verschiedenen Auflagen der Jugendwerke Rankes auf eine Veränderung ihres geistigen Gehaltes hin. B. konnte in den späteren Auflagen eine Beschränkung der geschichtsphilosophischen Spekulation zugunsten empirisch-historischen Tatsachenmaterials feststellen. Die Untersuchung, deren Ausgangspunkt grundsätzliche Fragen der mittelalterlichen Editionstechnik bildeten, rechtfertigte mit ihrem Ergebnis die in sie gesetzten Erwartungen. Matthijs Jolles, Wilhelm Dilthey und die Bedeutung der Kunst für das Lehen (S.355—37h) beleuchtete die Funktion der Kunst innerhalb der Wirklichkeit aus dem System Diltheys. Das Werk des Künstlers ermöglicht tieferes Verstehen der Wirklichkeit vermittels Durchgangs der Bilder durch die naturmächtige Seele des Künstlers. Kunst ahmt nicht die Wirklichkeit nach, sondern sie ist bedeutsam erfaßte Wirklichkeit, die aus dem Einzelnen einen inneren Lebenszusammenhang aufleuchten läßt. Das Künstlerische in diesem Sinne könnte nach Dilthey auch der Geschichtsschreiber und Wissenschaftler besitzen. Walter Bussmann, Friedrich der Große im Wandel des europäischen Urteils (S. 375—h08) gibt eine gerundete Darstellung des Friedrichsbildes von Schiller bis Heinrich von Srbik. Die vorliegende Publikation, deren drucktechnische Ausgestaltung dem Droste-Verlag Düsseldorf oblag, stellt einen der bestgelungensten Festschriftenbände der letzten Jahre dar. Anna Hedwig B e n n a (Wien). Zeitschriftenschau aus den bei der Generaldirektion des Österreichischen Staatsarchivs eingelaufenen Zeitschriften1)- Der 1. Teil (Österreich) enthält: Archivwissenschaft mit Diplomatik und Paläographie der Neuzeit. Geschichte des Spätmittelalters und der Neuzeit mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen Geschichte. Der 2. Teil (Ausländische Archivzeitschriften): Archivwissenschaft mit Diplomatik und Paläographie der Neuzeit. — Zusammengestellt von Erika Weinzierl-Fischer (Wien). 1. Österreich: Wien und Niederösterreich. Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik. 2. (XVI.) Band, Heft 13—-18, 1952. Wien. S. 189—192: Franz M a s c h e k, Herzog Friedrich der Schöne von Österreich und seine illegitimen Nachkommen. — S. 192—197: Josef Pilnácek, D Vgl. Mitteilungen d. Österr. Staatsarchivs 1 (1948) 284—287, 517—522, 4 (1951) 369—390 und 5 (1952) 486—503. — Für die Übersetzung slawischer Titel bin ich wiederum Herrn cand. phil. Walter Leitsch zu Dank verpflichtet.