Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)

WEINZIERL-FISCHER, Erika: Visitationsberichte österreichischer Bischöfe an Kaiser Franz I. (1804–1835)

Visitationsberichte österreichischer Bischöfe an Kaiser Franz I. 243 zweigter Einzelforschungen zu erfassenden Bild der „katholischen Auf­klärung“ 22) auch für jeden einzelnen ihrer Träger gilt. Ist es doch fast nicht möglich, auf Grund dieser zahlreichen Berichte eine klare Trennung in josephinisch oder antijosephinisch gesinnte Bischöfe vorzunehmen. Besonders deutlich wird dies an den bedeutendsten Persönlichkeiten, zu denen wir den Gurker Kardinal Salm, den Linzer Bischof Gail, Erzbischof Firmian von Wien, Bischof Frint von St. Pölten, Bischof Zängerle von Seckau und Erzbischof Gruber von Salzburg zählen wollen. Gail, der Ver­fechter der sogenannten sokratischen Lehrmethode23), und Salm, dessen Verdienste für Kärnten während und nach der Franzosenzeit unbestritten sind24), hatten schon unter Joseph II. ihre Bischofswürde erhalten und waren als Anhänger der kaiserlichen Ideen bekannt25). Gerade sie fanden aber bald für bestimmte josephinische Maßnahmen Worte herber Kritik 26) und vor allem Salm bewies in späteren Jahren eine tiefe Einsicht in die Volksfrömmigkeit und die ihr durch den Josephinismus zugefügten Schäden 27). Auf der anderen Seite wurde ein Augustin Gruber, der Überwinder der rationalistischen Sokratik im Religionsunterricht28), anläßlich seiner Erhebung zum Bischof von Laibach von päpstlicher Seite beanstandet, da er als Hofrat das für die neuerworbenen Provinzen erlassene Ehepatent unterschrieben hatte29). Es gelang Gruber erst durch seine bischöfliche £2) Franz Schnabel, Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert 4, Freiburg 1937, S. 11. — Zur katholischen Wertung der Aufklärung und zur wissenschaftlichen Fehde Merkle-Rösch vgl. Sebastian M e r k 1 e, Die kirchliche Aufklärung im katholischen Deutschland, Berlin 1910. 23) Gail führte diese Methode in den österreichischen Religionsunterricht ein (Sokrates unter den Christen in der Person eines Dorfpfarrers, 3 Bde., Wien 1784) und gewährte Martin Boos Aufnahme im Bistum Linz (s. u. 5. 298). Vgl. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Öster­reich 5, 1858, S. 65 f. 24) Hermann Braumüller, Geschichte Kärntens, Klagenfurt 1949, S. 359. 25) Gail trat in manchen Punkten für eine noch stärkere Reformierung des kirchlichen Lebens ein bzw. fand die „Einmengung der weltlichen Stellen in kirchliche Gegenstände“ nicht unrichtig. Joseph Chmel, Actenstücke zur Ge­schichte des österreichischen römisch-katholischen Kirchenwesens unter K. Leo­pold. II. (1790), Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen 4, 1850, S. 29, 33. — Salms Vater besaß in einem besonderen Grad die Zuneigung Josephs II., bei dem auch er selbst als „gerne angehörter Rathgeber und als redlicher Vermitt­ler zwischen dem päpstlichen Stuhl und der Metropole Salzburg auftrat“. Wurz­bach, a. a. O., 28, 1874, S. 120 ff. und Franz Feil, Kardinal Salm und seine Friedenswerke, Graz 1872, S. 17. 2«) Chmel, a. a. 0., S. 32, 113 ff. 27) Siehe S. 288 f. 28) Franz Ranft, Fürsterzbischof Augustin Gruber von Salzburg, Inns­bruck 1938. 29) Adolf Beer, Kirchliche Angelegenheiten in Österreich (1816—1842), Mitteilungen des Institutes f. österr. Geschichtsforschung 18, 1897, S. 499 ff. und 1823 IV 3, K.F.A. 234/42/8. 16*

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