Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)
REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv
440 Literaturberichte distan) bedroht“, „Der Kommunismus vermag in Japan als einzigem der asiatischen Staaten keinen Fortschritt zu machen“, S. 443 f. „Der Kampf zwischen Kommunismus und Demokratie- zwischen dem Imperialismus Sowjetrußlands und den Föderationen der freien Völker, zwischen der Religion des atheistischen Materialismus und dem Geiste christlicher Liebe und Humanität wird als ,kalter Krieg* bezeichnet**; „Wiederholt greift der Papst in den Kampf der Geister ein, ruft die Gläubigen zur Abwehr des Kommunismus auf ..; hier übersieht der Autor, daß die Gegnerschaft der Kirche gegen den Kommunismus aus dessen Unterdrückung der freien Religionsübung der Katholiken und dessen Versuchen, die Landeskirchen vom Vatikan zu trennen, resultiert, daß sich die Mahnungen des Papstes zum Frieden und zu gerechter Ordnung jedoch an alle Völker richten, so daß es abwegig ist, die Kirche als Teilnehmer am „kalten Kriege“ anzuführen, der sich doch wesentlich auf politisch-propagandistischer und wirtschaftlicher Ebene abspielt.) In den Zeittafeln, S. 462, letzte Zeile, muß es heißen: Ostfront (statt „Westfront“). S. 464, 1848, steht unter „Kultur“: „Kommunistisches Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels“; dieses wäre m. E. doch eher als politische Leistung anzusprechen. Ebenso sind auf dieser und der nächsten Seite die Dogmen der unbefleckten Empfängnis und der päpstlichen Unfehlbarkeit unter „Kultur“ angeführt, der Zusammentritt des Vatikanischen Konzils 1869 jedoch unter „Politik“ (S. 454); da die unmittelbaren Auswirkungen dieser Dogmenverkündigungen für den Historiker im politischen Bereich faßbar sind, würde sich ihre Einbeziehung in die Tafel „Politik“ eher vertreten lassen, wenn schon keine spezielle Tafel „Religion und geistiges Leben“ aufgenommen wurde. Die getroffene Entscheidung wird umso prekärer, wenn man unter „Kultur“ auch finden kann: „Erste Boxweltmeisterschaft in England“ (S. 464, 1860) oder „Gründung der englischen Fußball (warum nicht Football-?) Association (S. 465, 1862) oder „Johann Strauß (Sohn): An der schönen blauen Donau** (S. 465, 1867) u. ä. Ohne die Bedeutung der zuletzt angeführten Fakten herabsetzen zu wollen, muß doch die Frage aufgeworfen werden, ob sich F. mit einer so weiten Fassung des Begriffes Kultur nicht in den Dienst jener „terribles simplificateurs“ Burckharts gestellt hat, vor denen sein Buch so eindringlich warnt. Einen wissenschaftlichen Apparat oder Quellennachweise enthält das Werk nicht; es ist sicher, daß speziell die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit auf Grund der noch nicht möglichen wissenschaftlichen Erforschung der Archive vielfach in einem anderen Licht erscheinen werden. Zusammenfassend sei nocheinmal gesagt, daß die am Anfang dieser Besprechung zitierten Absichten des Verlages und des Verfassers nicht ganz erreicht worden sind; trotz aller Mängel wird aber das Grundanliegen des Werkes — die Aufdeckung der Wurzeln der gegenwärtigen Problematik in Unterlassungen, Fehlern und schicksalhaften Fügungen im Zeitraum seit 1870 — diesem innerhalb der so überaus großen Zahl der Abhandlungen zur neuesten Geschichte einen ansprechenden Platz sichern können.