Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv

Rezensionen 425 einkommen mit Österreich zu Biarritz vom 4. Oktober 1859 bekräftigte die Rückkehr des Großherzogs. In Toskana hing die Landbevölkerung an der Dynastie, die höheren Offiziere und Beamten waren zur Gegenrevolution bereit, die sich auf das Zusammenwirken mit den konservativen Kräften in den Legationen und in Modena stützen sollte. Napoleon verhielt sich als stummer Zuschauer zu der im Frieden von Zürich sanktionierten Bewegung. Der Plan der Gegenrevolutoin war einfach: die toskanischen Truppen sollten den Großherzog akklamieren und Garibaldi und seine Schar gefangen nehmen. Die Offiziere fügten sich dem Befehl des von Ferdinand IV. zum kommandierenden General ernannten Hauptmann Rousselot, der im Sommer 1857 die Erhebung der Mazzinianer niedergeschlagen hatte. Die Aktion sollte in der zweiten Oktoberhälfte ins Werk gesetzt werden. Die Revolu­tionsregierung Toskanas traf, rechtzeitig von dem Plan in Kenntnis gesetzt, ihre Vorbereitungen, verteilte die Truppen, beurlaubte die nicht verläß­lichen Offiziere und ersetzte sie durch Piemontesen. Parma, Modena, Toskana und die Legationen beschlossen den Anschluß an Piemont. Die Annexion Mittelitaliens durch Piemont bedeutete für Österreich das Ende jeder Hoffnung, die Vorherrschaft in Italien wieder­zugewinnen und machte Venetien unhaltbar. Napoleon spielte noch immer mit seinem Staatenbund und hoffte Palmerston durch einen für England vorteilhaften Handelsvertrag zu gewinnen, aber Piemont konnte weiter auf die britische Hilfe bauen. Napoleon berief sich zur Beschönigung seiner groben Verletzung der Züricher Bestimmungen auf das höhere Gebot der Selbstbestimmung der Völker. Die Volksabstimmung, die für Nizza und Savoyen Recht war, konnte den Völkern Mittelitaliens nicht verwehrt werden. Österreich war zu schwach, auf Einhaltung des Züricher Vertrages zu bestehen, aber Rußland und Preußen suchten, Frankreichs Expansion einzudämmen. Während sich der preußische Gesandte in Turin Brassier günstig über die Revolutions­regierung in Mittelitalien äußerte, berichtete Reumont in Florenz das genaue Gegenteil und so wurde General Wildenbruch dorthin entsandt, um Klarheit zu verschaffen. Der Kardinalstaatssekretär Antonelli lieferte Reumont Unterlagen, mit denen er Wildenbruch im Sinne der Kurie beein­flussen sollte. Preußen und Rußland waren in der Ablehnung des Prinzips der Selbstbestimmung der Völker einig und wünschten die Abhaltung einer Konferenz der Großmächte. Gortschakoff nahm die Kongreßidee nicht ernst, da Österreich weitere Opfer, die ihm auferlegt würden, voraussehen mußte und Frankreich als einzige Macht an der Neuregelung Italiens mitwirken wollte. Das Jahr 1860 begann in Turin mit der Rede Viktor Emanuels zur Eröffnung des subalpinen Parlaments. Unter Beifallstosen nahm er das Hoheitsrecht des Staates über die Kirche in Anspruch. Am 20. Jänner kehrte Cavour, der nach Villafranca aus dem Amt geschieden war, zur Macht zurück, begrüßt von Lord Russell und der Königin Victoria. Die „Allgemeine Zeitung“ kommentierte die Rückkehr Cavours in folgenden Zeilen: „Das Streben Lord Palmerstons geht offenbar dahin, ohne einen Tropfen Blut oder einen Schilling aufzuopfern, als der eigentliche Befreier Italiens zu erscheinen. Zu dem Ende drängt er den Sardenkönig, die

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