Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv

Rezensionen 421 zu halten, dann gab es für England nur eine Linie: die Unabhängigkeit Italiens und seine Einigung unter Ausschluß fremder Mächte1). Alle Mächte, die großen und die kleinen, kannten ihre Rollen auswendig, nur der Hauptakteur, Napoleon III., wußte nicht, ob er der Stimme des Gewissens, der Kaiserin Eugenie, oder den vielen anderen, die ihm alle etwas anderes einbliesen, folgen sollte. Gewiß, er spielt die kläglichste Rolle, aber die einzig interessante, die einzig dramatische. Österreich konnte nach dem Verluste der Lombardei, mit einer geschla­genen Armee, im Innern von Schwierigkeiten heimgesucht, im Ausland um sein Ansehen gebracht, zur Lösung der römischen Frage nicht viel beitragen. Die Berichte des Nuntius in Wien De Luca, lassen sich in ihrem Wert nicht mit denen seines Amtsbruders in Paris Sacconi vergleichen, dem wir einen guten Einblick in die ewig schwankende Politik Napoleons III. verdanken. Sacconis Berichte verlegen den Schwerpunkt der Darstellung des Pater Pirri nach Paris. Wien kommt dabei zu kurz. Pater Pirri sind die Forschungen Engel-Janosis2) entgangen, welche ihm die Wege gezeigt hätten, die Lücke auszufüllen und die mit der römischen Frage untrennbar verbundene Stellung der Monarchie eingehender zu behandeln. So steht im Mittelpunkt der Darstellung der Kaiser der Franzosen und seine Italien­politik. Im Bericht Cavours an den König über das Gespräch von Plombiéres, in welchem die Vertreibung der Österreicher aus Italien beschlossen wurde, steht: „La vallée du Po, la Romagna et les Légations auraient constitué le royaume de la Haute Italie sur laquel régnerait la Maison de Savoie. On conserverait au Pape Rome et le territoire qui l’entoure. Le reste des États du Pape avec la Toscane formerait le royaume de l’Italie centrale.“ Als König Mittelitaliens hätte Napoleon am liebsten Jérőme Napoléon gesehen und in Neapel wollte er nach Vertreibung der Bourbonen Murat einsetzen. Die von Pater Pirri verwerteten Berichte des Nuntius Sacconi sind eine neue und reiche Quelle für die Vorgänge am Hofe Napoleons seit dem Neujahrsempfang 1859 und den Unheil verkündenden Worten des Kaisers an Hübner. Seit dem „Schmerzensschrei“ Viktor Emanuels in seiner Rede vom 10. Jänner, galt der Krieg als unvermeidlich. Anfangs 1859 traf Massimo d’Azeglio unter dem Vorwand, dem Prince of Wales den Annun- ziatenorden zu überreichen, in Rom ein. Er hatte die Aufgabe, die Erhebung in der Romagna auf den Kriegsausbruch abzustimmen. In Rom, wo seit 1849 französische Truppen den Papst schützten, sollte die Ruhe erhalten bleiben, um dem Bundesgenossen keine Verlegenheiten zu bereiten. Die fran­zösische Besatzung war für den Schutz des Papstes vor unabsehbaren Aus­schreitungen der Menge, unter der es von Agenten wimmelte, eine unum­gängliche Notwendigkeit. Noch schwankte der immer schwankende Kaiser zwischen Krieg und Frieden, und sein Pendeln spiegelte sich in der offiziellen Presse und in der 1) Siehe die beiden Aufsätze Arch. stör. Ital. CVI (1948). Eugenio Ártom, LTnghilterra e la questione italiana alia vigilia del Quarantotto. p. 19—61 und Federico Curato, La Toscana e la mediazione anglo-francese. p. 96—183. 2) Friedrich Engel-Jánosi, Graf Rechberg. Vier Kapitel zu seiner und Österreichs Geschichte. München 1927. — Der Freiherr von Hübner 1811—1892. Innsbruck 1933.

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