Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 4. (1951)
ACHT, Peter: Ein Registerbuch des Bischofs Nikolaus von Regensburg (1313–1340)
Ein Registerbuch des Bischofs Nikolaus von Regensburg (1313—1340) 99 der Forschung bisher als Diplomatar oder Briefbuch angesehen x), ohne als Registerbuch erkannt zu werden. Nikolaus, 1313 Februar 22 zum Bischof von Regensburg gewählt, wird in einer Urkunde seines Nachfolgers, Bischof Konrads VI., von 1369 September 15 als „Nicolaus de Ipsse“ bezeichnet * 2). Erst spätere Chronisten nennen ihn Nikolaus von Stachowitz 3). Was seine Person in diesem Zusammenhang besonders interessant macht, ist die Tatsache, daß er vor seiner Wahl zum Bischof Notar in der Kanzlei Heinrichs VII. gewesen ist. In einer Urkunde dieses Herrschers für Bischof Philipp von Eichstätt von 1311 Januar 23 steht er als „thesaurarius Eichstetensis et notarius noster“ unter den Zeugen 4). 1310 August 7 schenkt ihm der König die „villa Hettin- gen“ bei Weissenburg5) und gewährt ihm kurz darauf in einer 1310 November 24 zu Asti ausgestellten Urkunde das Recht, diese Schenkung in eine Vikarie oder Präbende umzuwandeln 6). Hier wird Nikolaus ausdrücklich vom König als „magister Nicolaus thesaurarius Eystettensis carissimus notarius noster“ bezeichnet7). Heinrichs Sohn, König Johann von Böhmen, der während des Italienzuges seines Vaters die Reichsverweserschaft ausübt, nennt Nikolaus, der bereits zum Bischof von Regensburg gewählt worden war, b Ried Thomas, Codex chronologico-diplomaticus episcopatus Ratisbonensis, Bd. 2 (1816), 789, Nr. 820, „ex Diplomatario coaevo“. — Monumenta Boica (künftig MB.), Bd. 53 (1912), 213, Nr. 384, aus „Gleichzeitige Cop.: MR., Regensburg Hochstift Lit. 2 (Briefbuch des Bischofs Nicolaus)“. 2) Dollinger Peter Paul, Urkundenbuch zur Geschichte der Stadt Neuburg a. D. Verhandl. d.Hist. Ver. f. Niederbaiern, Bd. 19 (1875), 101. — Siehe auch Hans Dachs, Urkunden zur Geschichte des Hofes der Regensburger Bischöfe in Wien, Verhandl. d. Hist. Ver. von Oberpfalz und Regensburg, Bd. 80 (1930), 127. 3) Jänner Ferdinand, Geschichte der Bischöfe von Regensburg, Bd. 3 (1886), 137 nach den dort angegebenen Quellen. — Gams, Series episcoporum, S. 305. 4) Böhmer J. F„ Regesta Imperii, VI, 4, Nr. 363; Original im Bayer. Hauptstaatsarchiv München, Kaiserselekt Nr. 1233 in doppelter Ausfertigung. Heidings- felder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt Nr. 1477. 5) Böhmer, Nr. 278. 6) Böhmer Nr. 580. 7) Bresslau, a. a. O., S. 549, Anmerk. 2, meint, daß „aus dem Magistertitel allein noch nicht auf akademische Bildung geschlossen werden dürfe; die kaiserlichen Kanzleibeamten hätten ihn nach dem Vorbild der päpstlichen angenommen, die ihn ganz allgemein und von Amtswegen führten“. Auch Berthold von Tuttlingen, der Registrator Kaiser Ludwigs des Bayern, führte den Magistertitel, vgl. Erben Wilhelm, Berthold von Tuttlingen, Denkschr. d. Ak. d. Wiss. in Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 66, Abh. 2 (1923), 97, Spalte 2.