Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 4. (1951)

GOLDINGER, Walter: Archivwissenschaftliche Literatur der Jahre 1948–1951

Rezensionen 315 Edith Kotasek von Friedrich Hausmann. II. Bd. (1716—1763). Zürich Fretz und Wasmuth-Verlag A. G., 1950; XXIII und 704 Seiten. (Selbst­anzeige.) Mit dem Erscheinen dieses Bandes wurde ein Schritt weiter in der Fortführung des 1936 mit dem ersten Band begonnenen Werkes getan, das sowohl dem Historiker als auch dem Diplomaten als Nachschlagwerk dienen soll. Sein Hauptzweck ist es, in gedrängtester Form Aufschluß über die Beziehungen nicht nur von Staaten und staatlichen Körperschaften, sondern auch von sogenannten halbsouveränen Staaten, von Teilstaaten, von Staatenverbindungen und revolutionären Staatsbildungen untereinander zu geben, soweit sie sich aus der Art der jeweils statthabenden Missionen (ständige und Sondermissionen), deren Inhalt im Sonderfall nach Möglichkeit angegeben wurde, ablesen lassen. Darüber hinaus soll auch die Persönlichkeit des einzelnen Diplomaten nicht nur im Hinblick auf seine diplomatischen Funktionen, Umfang und Dauer seiner Tätigkeit, sondern durch die Angaben im Register auch unter Berücksichtigung seiner familienhaften und beruflichen Herkunft gekennzeichnet werden. Diese Grundsätze hatten schon im 1. Bd. Bewährung gefunden und wurden auch im nun erschie­nenen 2. Bd. getreulich befolgt, jedoch in einigen Punkten vertieft, wie aus der Einleitung des Herausgebers zu ersehen ist. Dieser 2. Bd., der nach dem ursprünglichen Beschluß die Listen der Jahre 1716 bis 1815 umfassen sollte, mußte wegen der Überfülle des einschlägigen Materials auf den Zeitraum von 1716 bis 1763 eingeengt werden, bringt aber außerdem noch die Nachträge und Berichtigungen zum 1. Bd., wie sie sich aus verspätet eingelangten Anlageblättern sowie aus ergänzender Quellenarbeit ergaben. Die große Spanne Zeit, die zwischen dem Erscheinen des 1. und dem des 2. Bds. liegt, erklärt sich durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges, der den unentbehrlichen internationalen wissenschaftlichen Verkehr allmählich völlig unterband und schließlich den Stillstand der Arbeiten herbeiführte. Als auch die beiden Herausgeber des 1. Bds., Lothar Groß (1944) und Ludwig Bittner (1945), aus dem Leben geschieden waren, schien dieses Werk zur Zeit des allgemeinen Zusammenbruches dem völligen Scheitern preisgegeben zu sein. Dank der Bemühungen Leo Santifallers konnte, wenn auch unter den schwierigsten Umständen, die Fortführung der Arbeiten bereits 1945 wieder in Angriff genommen werden, mit der Friedrich Hausmann betraut wurde. Bei näherem Zusehen ergab es sich, daß die obschon weit fortgeschrittenen Vorarbeiten und das Manuskript von Lothar Groß einer derart weitgehenden Ergänzung bedurften, daß eine vollkommene Neuanlage des Manuskripts notwendig wurde. Was nun die vorgesehene Fortsetzung des Werkes — zunächst bis zum Ende des Wiener Kongresses (1815) — anlangt, steht schon aus mehreren auswärtigen Archiven ganz oder teilweise das Material zur Verfügung, doch ist die Zahl jener Archive einschließlich des Wiener Haus-, Hof- und Staats­archivs noch größer, die ihren Beitrag an der Sammlung der Quellen noch schulden. Eine völlige Neuorganisation der internationalen Zusammenarbeit an diesem Werk, freilich unter Wahrung der bekannten und bewährten Tradition, wird daher erforderlich sein. Es wäre bedauerlich, wenn ein Unternehmen von solcher internationaler wissenschaftlicher Bedeutung

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