Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 4. (1951)

GOLDINGER, Walter: Archivwissenschaftliche Literatur der Jahre 1948–1951

Sammelreferate 301 Umformungen im Gefolge der politischen und wirtschaftlichen Veränderun­gen seit dem Kriege eingetreten sind 1). Darüber gehen nun die Veröffentlichungen in den verschiedenen Fach­zeitschriften willkommenen Aufschluß. Sie sollen hier nicht alle angeführt werden, es zeigt sich aber doch, daß die Substanzverluste selbst in Deutsch­land geringer sind, als man glaubte, erwarten zu müssen. Freilich, die aus den Verlagerungen erwachsenen Schäden sind nicht unbeträchtlich, doch ergibt eine sachliche Prüfung, daß bei der systematischen Auslagerung der Archivalien, für die sich die damalige deutsche Archivverwaltung mit großem Nachdruck eingesetzt hat, im Endeffekt der Nutzen die dabei eingetretenen Schäden überwiegt2). Mißgriffe hat es überall gegeben, der Grundgedanke war richtig, wenn auch ein ungünstiges Kriegsende lange nicht in Erwägung gezogen wurde. Aber gerade weil man an das zu wenig gedacht hat, sind durch die Ereignisse der ersten Nachkriegszeit nicht selten Verluste eingetreten, die sich da und dort vielleicht hätten vermeiden lassen. Vieles war freilich nicht vorauszusehen, mit der scharfen Zonen­trennung dürften die wenigsten gerechnet haben. Aber gerade diese hat ihre schweren Rückwirkungen auf das Archivgut selbst, die Frage der Territorialfolge wurde akut, die theoretischen Auseinandersetzungen darüber sind noch voll im Fluß 3). Auch steht zur Erörterung, was mit dem umfangreichen Aktenmaterial der jüngsten Zeit zu geschehen hat. Daß dabei die Besatzungsbehörden ein gewichtiges Wort mitsprechen, liegt auf der Hand 4). Bei ihren Verwaltungsstellen befinden sich auch Fach­archivare, durch die sich die wissenschaftlichen Beziehungen mit dem Auslande allmählich wieder herstellen ließen. Darum findet das europäische Archivwesen jetzt auch starke Beachtung in Amerika. In etwas anderer Weise vollzog sich der Aufbau der Archive in der deutschen Ostzone 5). Auch dort ist man in den letzten Jahren voran­gekommen, hat eine eigene Archivverwaltung aufgebaut, das Institut für x) Sydow J., Das Archivwesen der Deutschen Demokratischen Republik. Der Archivar, 4 (1951), 55—64; Seeherg-Elverfeldt R., Die Archive in der Deutschen Demokratischen Republik. Archivmitteilungen, 1 (1951), 3—7; Flach W., Sechs Jahre Aufbauarbeit in den thüringischen Landesarchiven. Ebendort, 34—-37. 2) Rohr W., Die zentrale Lenkung deutscher Archivschutzmaßnahmen im Zweiten Weltkrieg. Der Archivar, 3 (1950), 105—122. 3) Maschke H. M., Die deutschen Akten und das Kriegsrecht. Der Archivar, 3 (1950), 27—34; W. Mommsen, Deutsche Archivalien im Ausland. Ebendort, 34—38; Weise E., Die Erhaltung des Deutschordensarchivs und der übrigen geretteten Königsberger Bestände. Ebendort, 2 (1949), 49—54; Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen: Two expertises relating to the archives of the Teutonic Order and the Ancient Prussian Duchy. Expertise based on consideration of international law, presented by Herbert Kraus; Expertise based on considera­tions of historical and archivalian scholarship, presented by Erich Weise. Göttingen 1949, 34 S. 4) Born Lester K., The Ministerial Collecting Center Near Kassel, Germany. The American Archivist, 13 (1950), 237—258. 5) Korfes O., Unsere Aufgabe. Archivmitteilungen, 1 (1951), 1—2;Nissen W., Der Neuaufbau verlagerter ehemals preußischer Archivbestände durch das Deutsche Zentralarchiv. Ebendort, 21—22.

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